Der Fuchsbandwurm lauert und wartet auf dich!

Oder doch nicht?

Pünktlich zum Start der Wildkräutersaison wird wieder fleissig in Tageszeitungen & TV vor dem bösen Fuchsbandwurm gewarnt.
Der scheint nach diesen Berichten überall in der Natur nur auf uns zu warten, um es sich dann in unserer Leber gemütlich machen zu können. Daher wird eindringlich davor gewarnt Wildkräuter und Beeren zu essen. Oder alles vorher abzukochen und dann erst zu verzehren.


Nach dem Fuchsbandwurm werde ich ziemlich oft gefragt, daher bringe ich heute, ganz unhysterisch, ein bisschen Licht ins Dunkel und gehe der Frage nach: wieviele Opfer hat der gemeine Fuchsbandwurm jetzt tatsächlich auf dem Gewissen?



Nicht nur wunderschön sondern auch ein gern gesehenes Krafttier ;)


Wieviele Opfer hat der Fuchsbandwurm auf dem Gewissen? 
Widmen wir uns zunächst ein paar Zahlen. Auf der Seite des österr. Bundesministeriums für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz ist zur "alveoläre Echinokokkose" (Fachsprech für Fuchsbandwurm) des Menschen nachzulesen:
"Während der letzten 30 Jahre wurden durchschnittlich 2 bis 3 Fälle alveolärer Echinokokkose pro Jahr in Österreich registriert; seit dem Jahre 2011 ist die Inzidenz deutlich angestiegen. So wurden im Jahr 2011 insgesamt 13 Fälle, 2012 und 2013 jeweils 8 Fälle und 2014 12 Fälle registriert. Die Hauptendemiegebiete liegen im Westen (Tirol, Vorarlberg, Salzburg), Fälle alveolärer Echinokokkose sind aber aus allen Bundesländern bekannt." (Anm: ca. 8,8 Mio.EW in Österreich, Stand 2019)

Für Deutschland sind die Zahlen (gemessen an der Bevölkerung) sogar geringer und liegen, laut Robert Koch Insitut in den letzten 30 Jahren zwischen 6 und 45 Neuinfektionen pro Jahr.

 
Das Bayerischen Landesamt für Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin und Sicherheitstechnik sagt dazu 

"Bei der europaweiten Auswertung war die Berufsgruppe der Landwirte mit 21,9 % besonders betroffen. Zusammen mit in Wald und Garten arbeitenden Personen sowie mit Jägern sind es annähernd 40%. Es fällt auf, dass 70 % der Erkrankten auch Hunde und Katzen hielten. Lediglich 15 % gehörten keiner dieser Risikogruppen an."

Ob man diese Zahlen jetzt als beunruhigend betrachtet, überlasse ich jedem selbst.




Der Fuchsbandwurm geht auf Reisen
Man darf sich auch die Frage stellen, ob der Fuchs(bandwurm) vor Feldern oder unseren Gärten Halt macht?
Eher nicht. Auch das Robert Koch Institut kam zu diesem Entschluss "Da Füchse immer weiter in die Siedlungsgebiete des Menschen vordringen. In Risikogebieten sind Gartengemüse, bodennah wachsende Früchte, auch Plantagenerdbeeren und Früchte von Streuobstwiesen mindestens gleich risikobehaftet." Und trotzdem essen wir rohen Salat und Erdbeeren aus unseren Gärten oder auch im Supermarkt Gekauftes. 


Unsichtbarer Fuchskot
Nein, natürlich nicht. Der Kot eines Fuchses ist nicht unsichtbar sondern in etwa so groß wie der eines kleineren Hundes.
Häufig sind darin Reste von Beeren, Fellreste oder zerkleinerte Insektenpanzer zu sehen.
Abgesehen davon bevorzugt der Fuchs prominente Stellen für seinen Kot um sein Revier deutlich zu markieren. Am liebsten hinterlässt er sein Häufchen daher auf Weg Kreuzungen oder erhobenen Stellen wie z.B. größeren Steinen.
Und jetzt mal ernsthaft, wer würde
freiwillig ein "angschissenes" Blatt oder Frucht verzehren?

 

Auf Nummer sicher gehen
Wenn du auf Nummer sicher gehen möchtest, dann wird einstimmig empfohlen:

  • alle Bodennah wachsenen Lebensmittel, aber auch Fallobst, egal ob gekauft oder selbst gepflückt, penibel zu waschen und auf mind. 60 Grad zu erhitzen (kochen, braten, backen) 
  • Das gilt auch für gekaufte Tiefkühlware, denn tieffrieren hat sich gegenüber dem Fuchsbandwurm als wirkungslos erwiesen (-80 Grad wären nötig) 
  • Hände nach der Gartenarbeit waschen, da die Erde kontaminiert sein könnte 
  • keinen (toten oder lebendigen) Fuchs angreifen (wenn du einen toten Fuchs findest am besten den Förster informieren) 
  • Auch Hunde oder Katzen können den Fuchsbandwurm übertragen (oft geschieht das aber über Streuner in südlicheren Ländern)

Hats mich vielleicht eh schon erwischt?
Die Infektion kann bis zu 15 Jahre unerkannt bleiben und macht sich enweder durch Schmerzen im Oberbauch bemerkbar oder wird bei einer Untersuchung der Leber zufällig entdeckt. Sie gilt als nicht heilbar, mit Medikamenten beträgt die Überlebenschance aber 90%.

Es gibt auch Vermutungen, dass man sich schon als Kind infizieren kann, aber erst im Alter, wenn das imunsystem schwächer wird Symtome erscheinen.


Mein Fazit:

Ich denke ich fange jetzt doch zum Lottospielen an. Da scheint mir ein Gewinn realistischer als mir den Wurm einzufangen.

Trotz viel draussen sein, in der Erde wühlen, direkt am Wegesrand naschen und viel mit Hunden schmusen.
Denn ich weiß, die Natur will mir nichts Böses. Im Gegenteil, sie schenkt mir wertvolle Wildpflanzen die meine Gesundheit stärken und beruhigt mich immer dann, wenn rundherum der Wahnsinn ausbricht.
 



Weiterführende Info:

Österr. Bundesministeriums für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz

Vetmed Wien

Bayrisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Bayerisches Landesamt für Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin und Sicherheitstechnik





Thx pixabay!