Frivol fröhliche Februar Feste

Wie ich in meinem Beitrag über Imbolc schon erwähnt habe, steht der Februar ganz im Zeichen von Reinigung, Fruchtbarkeit und Neubeginn.
Der Februar ist aber auch ein mit Brauchtum gefüllter Monat, viele Festivitäten stehen auf dem Programm, wir feiern Fasching und besuchen (Masken)Bälle, vielerorts gibt es noch Faschingsumzüge und nach dieser frivol- fröhlichen Zeit startet die Fastenzeit.
Auch der liebe Valentin schaut dazwischen vorbei und erinnert uns an die Liebe. 
Was hat es damit auf sich, welche Spuren unserer AhnInnen verstecken sich hinter diesen Bräuchen?

Allen Grund zu feiern
Wenn man gedanklich in die Vergangenheit reist wird schnell klar, dass man im Februar allen Grund hatte zu Feiern.
Zu dieser Zeit wird die Natur von der jungfräulichen Vegetationsgöttin Brigid wachgeküsst, die Zeit der Fruchtbarkeit naht, überall hört, sieht, riecht und spürt man, dass sich etwas regt. Ganz klar, der Frühling steht vor der Türe.
Für unsere AhnInnen war das eine Zeit des Aufatmens, der lange und entbehrungsreiche Winter näherte sich dem Ende, die Tage wurden wieder heller und wärmer. Ohne Zentralheizung und Supermarkt war der Winter um einiges rauher als wir es heute gewohnt sind.
Die angelegten Lebensmittelvorräte wurden, trotz kluger Vorausschau, wahrscheinlich trotzdem mit der Zeit knapp oder zumindest eintönig. Wertvolles Wildgemüse, heute von uns auch Unkraut genannt, machte einen großen Teil des Speiseplanes aus, und davon findet man im Winter, vor allem bei Schnee, einfach weniger. Anders als heute hatten sich wahrscheinlich die wenigsten während dieser Monate Winterspeck angefuttert sondern zerrten von ihren Reserven.
 

Frühlingshaftes Schlaraffenland
So wie wir uns auch heute, trotz modernen Ahnehmlichkeiten, über die ersten Frühlingsboten freuen, muss das für Generationen vor uns noch viel größerer Anlass zur Freude gewesen sein, als der Schnee schmolz und die ersten, wenn auch noch zarten, Pflanzenkinder zum Vorschein kamen und die Vögelchen leise ihr Lied anstimmten.Man hatte den Winter überstanden und die Versorgung war wieder gesichert.
Das Februar Mondfest Imbolc steht nicht nur in Zusammenhang mit dem altirischen Wort imb-folc für „Rundum-Waschung" sondern auch mit "Oimelc", die Bezeichnung für das erste Milchgeben der Schafe im Frühjahr. Es gab neben den ersten zarten Pflänzchen also auch wieder frische Milch und in weiterer Folge Butter, Rahm und Käse. Aber auch die bald brütenden Vögel waren eine Quelle für frische Eier.
Der Vorfrühling muss wahrlich wie ein Schlaraffenland gewirkt haben und zu Recht wird man sich wie "narrisch" im "Narrenmond" Februar, wie eine seiner Bezeichnungen im Volksmund ist, gefreut und dementsprechend gefeiert haben! 

Fruchtbarkeitsorgien
So wie die Natur erblüht und sich fruchtbar zeigt haben auch unsere AhnInnen Frühlingsgefühle entwickelt. Alle Sinne wurden durch die Umgebung stimuliert, und heute wissen wir: Wärme steigert die Libido und Licht beeinflusst unsere Hormone.
Der Kulturanthropologe und Ethnobotaniker W.D. Storl schreibt von wilden Festen und wahren Fruchtbarkeitsorgien, dem "Faseln", das bei den Kelten im Februar stattgefunden haben soll.
"Faseln" bedeutet soviel wie wirres Zeug reden (in diesem Zusammenhang verwenden wir das Wort auch noch) herumtollen oder "in Saft geraten", die Wortwurzel "fas" ("vas") kann mit Wachstum und Frucht übersetzt werden, im Altindischen bedeutet es Frühling.
Frei übersetzt: im Frühling geraten wir in Saft, tollen herum und sind wirr!

Lärmend wurde beim Faseln die Erde geweckt und der Winter vertrieben, es wurde gevöllert, man tanzte, stampfte, jauchzte und sang. Feuer wurden entzündet, man konnte aus dem Rahmen fallen, die Rollen wechseln, es wurden Masken getragen.
Das „Rollen wechseln“ kann symbolisch für den Wechsel von Winter auf Frühling gestanden haben.
Masken sind in vielen Kulturen ein uraltes schamanisches Werkzeug. Die Maskierung kann, ähnlich wie beim Perchtenlauf, auch dazu gedient haben den Winter zu vertreibenund den Frühling anzulocken. Oder auch wie im Film "Eyes wide shut" natürlich dazu dienen, bei seinem wilden Treiben unerkannt zu bleiben.
Im Alpenraum gibt es ganz vereinzelt noch aufschlussreiche Fasnachtsumzüge wie z.B. den Traminer „Egetmann-Umzug“. Seine Hauptfigur ist ein wohlhabender Mann, der auf Brautschau (vielleicht nach der Braut Brigid?) geht. Weitere Figuren sind z.B. der "weiße Bär“ und der „grüne Bär" die symbolisch für Winter und Frühling stehen könnten, auch die Vegetationsgöttin Brigid wird von einem Bären (dem symbolischen Sonnengott) begleitet.

Ein ähnliches Fest, die "Saturnalien" feierten auch die Römer zu dieser Zeit. Ein öffentliches Gelage bei dem Sklaven und Herren die Rollen tauschten, das Wort frei war und man hat sich mit kleinen Rosen (ähnlich unserem Konfetti und vielleicht ein Grund warum wir zu Valentin gerne Rosen verschenken) überschüttet, auch der Karneval in Venedig hat darin seinen Ursprung. Weltweit lassen sich in anderen Kulturen zu Vegetationsbeginn ähnliche Rituale finden, diese verbindet Maskierung, Tanz und Ekstase sowie Initiation.

Faschingszeit
Heute erinnern uns auch noch unsere Faschingsfeste und Maskenbälle an diese frivole Zeit, auch wenn über Jahrhunderte hinweg immer wieder von Kirche und Herrschern versucht wurde, den Menschen ihr Treiben auszutreiben.
Die Durchsetzung macht sich in den regionalen Unterschieden bemerkbar. Vielerorts gibt es noch Faschingsbräuche oder größere Umzüge, manche scheinen ausgelassener oder traditionelle als andere zu sein. Oft sind Faschingstraditionen aber auch in Vergessenheit geraten, in meiner Heimatstadt Wien haben sich letztendlich gediegenere Bälle daraus entwickelt.


Alles Walzer in Wien
Auf Außenstehende mag unsere Ballkultur sehr konservativ wirken, aber die Wiener Etikette täuscht, denn die ist nach außen hin unschuldig wie Bambi und tief drinnen die freche Mutzenbacher. Nicht umsonst stammen diese beiden gegensätzlichen Werke aus einer (Wiener) Feder, der von Felix Salten.
 

Spannend finde ich persönlich, dass jeder Ball von weiß gekleideten jungen Debütatinnen eröffnet wird, das erinnert mich sehr an das Erscheinungsbild der jungen Vegetationsgöttin zu Imbolc. Als Debütantin bezeichnet man übrigens eine junge Frau, die „in die Gesellschaft eingeführt wird“ und ab dann offiziell am Heiratsmarkt ist, im keltisch geprägten England war das bis ins vorige Jahrhundert noch ein wichtiges Ritual der adeligen Schicht. Das erinnert mich auch an die römischen "Lupercalien" von denen ich noch später sprechen werde. Die Tanz Partner werden bei den Wiener Bällen übrigens meist zufällig zugeteilt, auch das erinnert an einen alten Römer Brauch.

Der Wiener Walzer basiert auf dem "Landler" einem bäuerlichen Volkstanz (Kreistanz) der Überlieferungen nach zu feierlichen Anlässen aber auch "einfach" so, oft nach der Ernte, vielleicht aus Dankbarkeit und Freude, im ländlichen Alltag in der freien Natur stattgefunden haben soll. Seine Spuren lassen sich bis ins Mittelalter verfolgen, liegen aber wahrscheinlich noch tiefer. Denn bekannt ist, dass auch schon Heiden um Bäume verehrend im Kreis "gewalzt" (gedreht) haben, wie man es auch von den Bräuchen des Maibaums (Phallussymbol) oder der Tanzlinde (mit ihren herzförmigen Blättern) heute noch kennt. Dass es sich dabei auch um Fruchtbarkeitstänze gehandelt haben kann ist naheliegend. 

"Schon um die Linde war es voll, und alles tanzte schon wie toll."
J.W.v.Goethe






Lupercalien und Initiationsriten
Das Liebesfest "Valentinstag" am 14. Februar hat wahrscheinlich mit mehr als ein "bisschen Liebe" zu tun. Viele Quellen sprechen von den altrömischen "Lupercalien", einem Reinigungs- & Fruchtbarkeits Fest das Mitte Februar gefeiert wurde, als Ursprung.
Verheiratete Frauen ließen sich beim Lupercalien Umzug mit Riemen in die Hand schlagen, für Kindersegen. 
Es gab aber auch Inititations Riten für wohlhabende junge Männer. Ein blutverschmiertes Schwert (rote fruchtbare Frau) und mit Milch getränkte Wolle (weiße Jungfrau oder Sperma) sollen dabei eine Rolle gespielt haben. Mit diesem Ritual wurde man in die Gesellschaft eingeführt und ging anschließend gleich auf Brautschau. Partnerinnen dafür wurden angeblich ausgelost, antikes Tinder sozusagen. 
Es ist aber auch die Rede von Liebesorakeln, die den Jungfrauen Hinweise auf den/die "Richtige/n" gegeben haben sollen, das klingt schon romantischer! Im gallischen Frankreich wurde scheinbar auch noch im Mittelalter durch ein Los "Valentin" und "Valentine" erkoren, die dann für eine Jahr eine "Probebeziehung" hatten. Das erinnert an das keltische "handfasten", ein Ehebund, der auch auf die Dauer von einem Jahr beschränkt war und, bei Gefallen, danach wieder erneuert werden konnte.

Vielleicht sind die bereits erwähnten jungen Wiener Debütantinnen und ihr Debüt am Tanzparkett zu Frühlingsbeginn mit meist zufälligen Partnern noch ein Überbleibsel eines alten Initiationsritus. Vielleicht wurde aber in der Zeit der Romantik, als die Wiener Ballkultur erblühte und sich die Menschen nach ihren Wurzeln sehnten, von Romantikern wie mir Altes ausgegraben und neu belebt. 
Vielleicht sehe ich aber auch nur tanzende Gespenster denn vieles in unserer verschütteten vorchristlichen Kultur wird auf ewig Spekulation bleiben.
 
Oh du lieber Valentin!
Wenn die Kirchenväter eine/n Heilige/n ins Spiel brachten, in diesem Fall den Hl. Valentin, gab es meistens etwas zu übertünchen das nicht gefiel. Denn just als Ende des 5. Jhd. die "Lupercalien" verboten wurden betrat der heilige Valentin die Bühne.
Wer der heilige Valentin genau war und warum gerade er als Liebesbote auserkoren wurde, ist nicht ganz schlüssig, es gab zur Sicherheit auch gleich mehrere Valentins. Aus Mangel an Beweisen wurden die Valentins deswegen auch im letzten Jahrhundert wieder aus dem Heiligenkalender gestrichen. Seine Mission hat er in der Zwischenzeit ja auch erfüllt, ein bisschen Turtelei ist am Valentinstag erlaubt, aber um Himmels willen keine Orgien!
Die römische Göttin Juno, eine sehr lustvolle Göttin die auch bei den Lupercalien ihre Finger im Spiel hatte, hat ihren Ehrentag zufällig übrigens auch am 14. Februar, ihr zu Ehren wurden, auch ganz zufällig, Blumenopfer gebracht.
Bis ins Mittelalter lässt sich zurückverfolgen, dass liebestolle Männer aber so oder so am 14. Februar ihrer Angebeteten "Blumenopfer" gebracht haben. Am besten noch vor dem ersten Hahnenschrei, denn es galt "dass ein Mädchen denjenigen heiraten werde, den es am Valentinstag als ersten Mann erblickt". Später gesellten sich kunstvolle gestaltete Liebesbriefe mit Gedichten dazu.
Die "Valentine greetings" findet man in England bereits im 14. Jhd., später wurde ein großes Geschäft daraus, als es vorgedruckte Karten mit Gedichten für weniger kreative und poetische Verehrer zu kaufen gab. 
Englische Auswanderer nahmen den Valentinsbrauch mit nach Amerika, dort gesellten sich noch andere Geschenke hinzu und nach dem zweiten Weltkrieg brachten stationierte US-Soldaten den Brauch wieder nach Europa retour. Mittlerweile hat sich der Valentins Brauch auch auf andere Kontinente ausgedehnt, wird aber nicht überall gerne gesehen und auch oft von konservativen Regierungen verboten.

Aphrodisierende Liebesbällchen

Es geht heute hoffentlich nicht nur um Geschenke sondern auch darum die Lust zu zelebrieren.
Dafür habe ich mir ein schönes Rezept ausgedacht: kleine Liebesbällchen mit aphrodisierenden Pflanzen, denn auch daran hat die Natur gedacht. Jede der verwendeten Zutaten ist alleine für sich schon aphrodisierend, in der Kombi sind diese natürlich besonders anregend.

Von der einen oder anderen Zutat wirst du in diesem Zusammenhang vielleicht schon gehört haben. Weniger bekannt ist aber, dass die Haselkätzchen, die derzeit unübersehbar von den Haselnusssträuchern baumeln, auch eine sehr anregende Wirkung auf uns haben.

Hildegard von Bingen schreibt dazu: "Der Haselstrauch taugt nicht viel zur Arznei und bedeutet die Zügellosigkeit."
Ja, nicht umsonst nenne ich sie "die wilde Hilde", denn den Hinweis auf die Zügellosigkeit hätte sie sich, gerade als Nonne, ja eigentlich sparen können. Hat sie aber, wie so oft nicht, weil sie wusste, dass ausgelebte Sexualität auch zum Wohlbefinden beiträgt und ganz im Sinne unserer AhnInnen zelebriert werden soll. Allein, zu zweit, zu dritt oder wie auch immer es dir Spaß macht!




Zutaten:
  • 1 Handvoll Datteln
  • 1 Handvoll Nüsse
  • 1 EL Kakaopulver
  • 1 EL Brennesselsamen
  • 1 EL Haselkätzchen, gemahlen (Vorsicht bei Pollenallergie!)
  • 1 EL Rosenblätter, gemahlen
Bis auf Datteln und Nüsse kannst du, falls nicht zur Hand, die eine oder andere Zutat auch weglassen.

Zum Wälzen der Bällchen:
  • 1 EL Brennesselsamen
  • 1 EL Haselkätzchen, gemahlen
  • 1 EL Rosenblätter, gemahlen
Zubereitung:
  1. Datteln und Nüsse in ein hohes Gefäß geben
  2. mit Wasser bedecken und ca. 1h einweiken
  3. Wasser abgießen
  4. mit einem Pürierstab fein pürieren
  5. restliche Zutaten zugeben
  6. nochmal gut durchmischen
  7. aus der Masse kleine Bällchen formen
  8. die Bällchen in den gemahlenen Pflanzenteilen wälzen
  9. und dann hemmungslos naschen um später dich oder andere zu vernaschen!


Warum der frivole Februar in der Fastenzeit endet, warum man den Februar auch "Reinigungsmonat" nennt und welche heimischen Wildkräuter in dieser Jahreszeit dafür genutzt werden können werde ich euch in einem der nächsten Blogposts erzählen. Stay tuned!

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