Fasten your seat belt! Die grünen Detox Helferleins kommen!

Diese Woche beginnt die christliche Fastenzeit, der Verzicht oder die Reduktion von Nahrung ist aber sicher schon so alt wie die Menschheit selbst. Denn Nahrung gab es nicht immer im Überfluss, unfreiwillige Nahrungsengpässe gehörten zum Leben unserer AhnInnen dazu.

Antikes Fasten
Bereits Hippokrates sagte:
"Wer stark, gesund und jung bleiben und seine Lebenszeit verlängern will, der sei mäßig in allem, atme reine Luft, treibe tägliche Hautpflege und Körperübung, halte den Kopf kalt und heile ein kleines Weh eher durch Fasten als durch Arznei."
Diese Worte haben zwar schon fast 2500 Jahre auf dem Buckel, könnten aber auch ein tweet von einem hip-modernen Fitnessguru sein.
Scheinbar hat man früh erkannt, dass "Durststrecken" nicht gleich das Ende bedeuten, sondern auch ganz dienlich sein können und Fasten wurde vielleicht auch schon vor Hippokrates ganz bewusst als Heilmethode eingesetzt.

Manche Quellen sprechen davon, dass auch bei den Kelten zwischen Samhain (christl. Allerheiligen/Allerseelen) und Imbolc (christl. Maria Lichtmess) "gefastet" wurde. Auch unsere heutigen Fastenzeiten, die "kleine" aber relativ unbekannte Fastenzeit im Advent und die "große" Fastenzeit jetzt nach dem Fasching, finden ungefähr im selben Zeitraum statt.


Friedhofsfeste und Fastenbrechen?
Es ist bekannt, dass Karl der Große im 8. Jhd. genug von den Heiden und ihren Bräuchen hatte, u.a. waren ihm die "Opfer über den Toten" und die „Festmähler im Februar“ ein Dorn im Auge.
Zu Samhain wurden (nebst politischen Versammlungen), so deutet der Erlass darauf hin, "ausgelassene Friedhofsfeste" mit Speis und Trank gefeiert. Vielleicht war das üppige Mahl auch als Abschluss Ritual vor der kargen Winterszeit gedacht.
Die "Festmähler im Februar" könnten in in diesem Zusammenhang nicht nur als Freude über das Frühlingserwachen gesehen worden sein, sondern auch als "Fastenbrechen" wie man es z.B. auch vom Zuckerfest kennt, wo besonders üppige Speisen auf den Tisch kamen. Auffallend ist es schon, dass auch heute noch unser Faschingsgebäck besonders süß und fettig ist.

Winterruhe für Menschen
Das Leben unserer AhnInnen war stark beeinflusst vom Rhytmus der Natur.
Zum einen war (und ist) der eigene Stoffwechsel von äußeren Faktoren wie z.B. Licht und Temperatur beeinflusst, der das "System" von ganz alleine herunterfahren ließ. Auch in der Natur wurde beobachtet, dass sich Pflanzen und Tiere dieser Zeit anpassen und die meisten von Ihnen in Winterruhe oder auch Winterschlaf fallen.
Draussen war dadurch so oder so nichts zu tun, man hat sich der ruhigeren und weniger anstrengenderen Hausarbeit gewidmet, war nach Innen gekehrt und ist sozusagen auch in Winterruhe gegangen, um natürlich auch weniger Energie zu verbrauchen. (Ende November, am Kathreinstag gilt noch immer der Spruch "Kathrein stells tanzen ein" und erst mit Beginn des Faschings wird wieder getanzt.)
Denn trotz guter Kenntnisse über das Haltbarmachen vom Lebensmittel und guter Bevorratung hat man in den Wintermonaten natürlich auch weniger Nahrungsmittel zur Verfügung gehabt mit denen man sorgsam haushalten musste.
"Ruhe geben und auf Sparflamme fahren" und sich ohne äußeren Einflüssen mit sich selbst zu beschäftigen diente wie in der Natur als Regenerationsphase, das was wir heute auch mit Fasten verbinden. Ob es eher im natürlichen Zusammenhang stattfand oder ob unsere AhnInnen auch noch andere Gründe hatten kann, nach heutigem Wissenstand, aber nicht genau eruiert werden.


Magisches Fasten
Fasten wurde in indogermanischen Kulturen übrigens auch mit "magischer Kraft" gleichgesetzt.

Das altirische Recht spricht vom "Fasten als Druckmittel" (vgl. Hungerstreik) das eingesetzt wurde um zu zeigen wie stark man ist und um dadurch jemanden zu einem Zugeständnis zu bringen.

Fasten nach dem Fasching?

Mit dem Aschermittwoch beginnt für die Christen die 40-tägige vorösterliche Fastenzeit, diese besteht seit dem 4 Jhd. um sich "auf das österliche Hochfest vorzubereiten" und wird sich wahrscheinlich aus der winterlichen Fastenzeit vorchristlicher Kulturen heraus entwickelt haben. Wenn dem so ist, scheint mir aber im zeitlichen Ablauf etwas durcheinander geraten zu sein.
Denn gerade nach dem kargen Winter, ab dem Zeitpunkt wo wieder frische Nahrung vorhanden ist und wo auch wieder die körperliche Arbeit losging, zu fasten macht irgendwie wenig Sinn. Wie würde dann der Fasching dazwischen passen? Vielleicht als schnelle und kaloreinreiche Labstation um weitere 40 Tage durchzuhalten?

Wenn man betrachtet, dass ursprünglich neben dem Verzehr tierischer Lebensmittel auch sexuelle Enthaltsamkeit und der Verzicht auf Vergnügungen verboten war, gehe ich d´accord mit W.D. Storl der meint, dass die Fastenzeit eher dazu da war um die ausgelassenen Schäfchen im Frühling in Zaum zu halten damit sies nicht zu wild treiben.
Das Wort Fasten, gotisch fastan „(fest)halten, streng beobachten, bewachen“ verrät uns auf jeden Fall, dass es scheinbar kein Spaß war.


Warum man im Christentum fastet, wo der Ursprung und der Sinn darin liegt, wollte mir keinen katholische Seite so genau verraten, es ist wie viel die Rede von "Buße tun" und "über Schuld nachdenken"... Aber auch davon den "Körper und somit auch den Geist zu entschlacken".

Damit kann ich schon mehr anfangen und auch wenn der Winter (zumindest für mich) genug Zeit für "Innenschau und Geistreinigung" geboten hat, ist es auf unser modernes Leben bezogen mittlerweile gar nicht mal so ein schlechter Zeitpunkt zumindest körperlich zu entschlacken. Der Winter ist heute keine Ruhezeit mehr, Weihnachten wird über Wochen gefeiert, künstliches Licht ermöglicht uns wie gewohnt im Takt 40h und mehr abzuliefern, gegen Winterblues helfen Fernreisen ins Warme.
Wohlstand sei Dank haben sich die meisten von uns in den letzten Monaten vielleicht auch die eine oder andere kleine Wampe angefuttert, vielleicht sogar mit Dingen, die das Wort "Lebensmittel" oft gar nicht verdienen. Da tut es schon gut jetzt wieder gemäßigter zu essen und auf knackig frische Nahrung zurückgreifen zu können.


"Reinigungsmonat"
Frische Nahrung bietet uns die Natur jetzt schon reichlich. Pflanzen die uns nach dem Winter "durchputzen" und mit wichtigen Nährstoffen versorgen. Und da sind wir auch beim Namen vom Februar gelandet, lateinisch "februare" für „reinigen“.
Wie ich schon in einem anderen Blogpost erwähnt habe, stand auch das keltische Imbolc (Maria Lichtmess) im Zusammenhang mit „Rundum-Waschung". Noch heute haben wir diesen Reinigungsgedanken sozusagen im Blut.
Wenn wir nach dem Winter das Gefühl haben, der Couch Adieu zu sagen und uns förmlich aus unserer alten Haut schälen möchten.
Lust verspüren unsere -vielleicht eingerosteten- Körper wieder mehr zu bewegen, wieder raus an die frische Luft zu gehen und die Sonne wieder unsere Haut kitzeln lassen. Vielleicht fällt uns mit zunehmendem Licht auch zu Hause die eine oder andere Ecke auf, wo wieder g´scheit geputzt gehört und wenn wir unsere Kästen öffnen haben wir jetzt auch wieder den Schwung und die Lust uns von Dingen die wir nicht mehr brauchen zu trennen. Der berühmte Frühjahrsputz steht an.
Ganz im Ryhtmus der Natur, wo gerade der Schnee schmilzt (daher auch die alten Februarnamen "Schmelzmond" und "Taumond") reinigendes Wasser fließt, und die Februar Stürme alles was nicht mehr "richtig" sitzt fortblasen und sozusagen "frischen Wind" bringen.


Die grünen Detox Helferleins kommen!
Egal ob du nur "detoxen" möchtest oder tatsächlich streng fastest*, die grünen Helferleins stehen schon parat!
Mutter Natur hat immer alles zur rechten Zeit zur Hand und so versorgt sie uns in den kommenden Wochen mit besonders "reinigenden" und kraftvollen Wildpflanzen die uns nach dem Winter unterstützen können "Altes" auszuleiten, uns mit geballter Energie versorgen und beim Regenerieren helfen.


Für deine Frühlingskur stelle ich dir heute kurz und bündig die wichtigsten heimischen Frühlingskräuter vor, die du jetzt vor deine Haustüre finden kannst und in deinen Speiseplan einbauen kannst. Es ist nicht nötig und auch nicht sinnvoll Unmengen davon zu essen sondern es reicht jeden Tag ein bisschen davon in deinen Speiseplan einzubauen um deinen Körper zu unterstützen. Es müssen auch nicht alle Pflanzen auf einmal sein. Auf jeden Fall nur jene, die du sicher erkennst und bestimmen kannst.

Ich bin kein Fan von endlosen Aufzählungen über die Inhaltsstoffe einer Pflanze, wir werden genug mit Fakten über Lebensmittel bombardiert die Essen unnötig wissenschaftlich machen. Du kannst dir sicher sein dass alle Wildpflanzen besonders reich an Vitaminen, Mineralien und sekundären Pflanzenstoffen sind und das um ein Vielfaches als kultiviertes Obst und Gemüse.

Gerade die jungen Frühlingskräuter tragen wie kleine Kinder geballte Energie in sich, gemäß der Jahreszeit in der wir uns befinden.
Achte auf dein Gefühl, welche der vorgestellten Pflanzen spricht dich an, gefällt dir, begegnet dir, ohne dass du sie lange suchen musst, wächst vielleicht sogar üppig in deinem Garten oder in deiner näherer Umgebung?
Jede Pflanze die wichtig für dich ist und dir gut tut wird dich finden und du wirst es auch spüren!


Von oben links nach rechts im Uhrzeiger:
Birke, Brennnessel, Giersch, Bärlauch


BIRKE
Eigenschaften: regt die Nierentätigkeit an, blutreinigend, harntreibend, entwässernd
Rezeptidee: junge Blätter als Tee, im Salat oder aufs Butterbrot; Birkenkätzchen im Salat oder aufs Butterbrot; Birkenwasser ist im Bioladen erhältlich; Birkenruten in der Sauna für die Durchblutung; getrocknete und gemahlene Birkenblätter und Birkenkätzchen als Gesichtsmaske

BRENNNESSEL

Eigenschaften: regt die Nierentätigkeit an, entwässert, blutreinigend, blutbildend; hilft Säure auszuscheiden; Mineralsalze, Eisen, Chlorophyll stärken den Organismus
Rezeptidee: Blätter als Tee oder als Suppe und Spinat

GIERSCH

Eigenschaften: regt Leber und Nierentätigkeit an, entwässernd und harntreibend
Rezeptidee: junge Blätter im Salat oder aufs Butterbrot

BÄRLAUCH
Eigenschaften:regt die Galle an, blutreinigend, harntreibend
Rezeptidee: Blätter als Suppe und Spinat, im Salat oder aufs Butterbrot; Blüten im Salat oder aufs Butterbrot



Von oben links nach rechts im Uhrzeiger:
Scharbockskraut, Schafgarbe, Vogelmiere, Löwenzahn


 

SCHARBOCKSKRAUT
Eigenschaften: sorgt für schöne Haut von innen, blutreinigend, hoher Vitamin C Anteil
Rezeptidee: junge Blätter (in kleinen Mengen VOR der gelben Blüte) im Salat oder aufs Butterbrot

SCHAFGARBE

Eigenschaften: regt Leber und Darm an; blutreinigend, sehr Mineralstoffreich, tut Basenhaushalt gut
Rezeptidee: junge Blätter als Tee, im Salat oder aufs Butterbrot; gemahlene Blätter als Gesichtsmaske

VOGELMIERE
Eigenschaften: regt Leber und Nierentätigkeit, blutreinigend, harntreibend
Rezeptidee: Blätter im Salat oder aufs Butterbrot

LÖWENZAHN
Eigenschaften: regt Leber und Nierentätigkeit an, harntreibend, blutreinigend, blutbildend
Rezeptidee: Blüten als Tee, junge Blätter im Salat oder aufs Butterbrot, Wurzel geröstet als "Kaffee"


Hinweise:

  • "ausleitende" Pflanzen sind in der Lage so entstehende Mineralstoffverluste wieder auszugleichen
  • Wenn du die Pflanzen nicht findest oder sicher bestimmen kannst, bekommst du sie auch in der Apotheke oder im Bioladen.
  • Informationen laut TEM und der europäischen Volksheilkunde, diese ersetzen natürlich keine ärzliche Diagnose oder Behandlung!
  • Bei Problemen mit deinen Organen z.B. auch Gallen- oder Nierensteine unbedingt den Verzehr der für diese Organe erwähnten Pflanzen mit deinem Arzt abklären!

Selbst die heilige Hildegard von Bingen hat sich übrigens nie für strenges Fasten ausgesprochen sondern war Fan vom "rechten Maß":
"Die Seele liebt in allen Dingen das rechte Maß. Genauso wie es dem Magen schaden würde, immer voll zu sein, so der Seele, wenn der Leib immer im Vergnügen lebte."
 Das gilt natürlich auch umgekehrt! Sei liebevoll und nicht zu streng mit dir!


Thx pixabay!

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