Brigid ist erwacht und bittet zum Tanz!

Mit dem gestrigen Imbolc Vollmond sind wir im Jahreskreis in die Phase der jungfräulichen Vegetationsgöttin Brigid getreten und über sie möchte ich euch heute mehr erzählen. Im Laufe des Jahres werde ich auch noch weitere Phasen des Jahreskreises mit jeweils einer göttlichen Stellvertreterin aus dem Alpenraum vorstellen. Was es mit dem Wechselspiel der Göttinnen im Jahreskreis auf sich hat, verrate ich euch aber schon heute.



Die junge Vegetationsgöttin
Brigid gilt als "die Helle, Strahlende" (vgl. engl. bright), sie vertritt den Aspekt des jungen, schönen, erblühenden Mädchens.
Sie ist die Göttin des Lichtes und der Feuers, aber auch der schönen Künste und Schmiedekunst.
Sie symbolisiert Reinheit und den Neuanfang, sie zündet die Feuer. 
Brigid „macht“ nicht nur die Tage wieder spürbar heller, ihr Licht bringt auch den Schnee zum Schmelzen, sie verbindet damit die Elemente Feuer und Wasser und die eingefrorene Welt erwacht zu neuem Leben.

Wer aufmerksam ist merkt, dass es rund um Imbolc meist sehr windig ist denn Brigit braust dahin und rüttelt die Natur wach, alles was nicht fest verankert ist und nicht mehr gebraucht wird, wird jetzt weggefegt um Platz für Neues zu schaffen.
Brigid weckt die schlafenden Samen in der Erde und bringt (Lebens)Säfte wieder förmlich zum Fließen, sie erinnert die Welt daran wieder ihr Licht zurück zu bringen und ihre Schönheit zu entfalten und sich zu zeigen, die Zeit der Winterruhe ist vorbei.
Daran erinnert sie natürlich nicht nur die Natur sondern auch uns Menschen.


Die irische Brigid
Brigid wird auch heute noch sehr stark in Irland verehrt. Das liegt nicht nur daran, dass sich in Irland heidnische Bräuche länger halten konnten, sondern auch daran, dass es in Irland auch die Heilige "Brigida von Kildare" gibt, die der Imbolc Brigid zum Verwechseln ähnlich ist.
Man munkelt, dass Brigid so sehr von den HeidInnen verehrt wurde, dass die Kirche ihre liebe Not hatte Brigid einfach "zu vertreiben" und man sie kurzerhand lieber mit einer Heiligen ersetzt hat.
Viele Geschichten werden über sie erzählt, vieles davon hat wahrscheinlich seinen Urprung in der heidnischen Brigid, einiges davon wurde im Laufe der Zeit christlich gefärbt.


Die Alpen Brigid
Vor langer, langer Zeit wurde Brigid ziemlich sicher auch hier im Alpenraum verehrt.
Wenn man Brigids Wurzeln sucht, landet man schnell beim inselkeltischen Volk der Briganter.
Wahrscheinlich mit ihnen verwandt, zumindest kulturell, war das keltische Volk der Brigantier.
Diese siedelten sich ab ca. 500 v. Chr. am Bodensee im heutigen Vorarlberg an, heute ist uns dieses "Oppidum" unter Bregenz bekannt. 
Ob die Brigantier "reif für die Insel" waren oder die englischen Briganten genug vom trüben Wetter hatten und aufs Festland gezogen sind, hat sich bis dato noch nicht eindeutig feststellen lassen.
Der Wortstamm "Briga" = Anhöhe, Hügel, Berg, Seeufer deutet darauf hin, dass die Bregenzer ursprünglich die "Siedler am Wasser" waren.
Die irische Brigid gilt auch als "Göttin der Küste", vielleicht wurde die Alpenschwester am Bodensee somit als "Göttin des Ufers" verehrt?
Da wo Wasser und Land zusammentreffen, da wo sich auch das das Bild der Venus aufdrängt. Zu Imbolc, dem Vollmondfest, schmilzt das Eis zu Wasser, hier treffen Winter und Frühling aufeinander, so wie die alte Göttin und die junge Brigid zu dieser Zeit aufeinander treffen.
Wasser, das Mondelement, zeigt besonders an den Küsten mit Ebbe und Flut ganz deutlich, wie sehr wir mit dem Mond und seinem Rhytmus hier auf der Erde verbunden sind.

Weitere Spuren Brigids am Festland findet man auch einige Zeit später bei den RömerInnen. Diese nannten Brigid "Brigantia" und stellten sie zum einen als Nymphe dar, zum anderen als "ernst blickende junge Frau mit Helm, Speer, Schild und Rüstung", als Kriegerin.

Nymphen gelten in der römischen Mythologie als personifizierte Naturgeister. Sie waren die "guten Geister" besonderer Orte, heute würden wir auch "Kraftplatz" zu diesen besonderen Orten sagen und wer so ein Kraftplatzerl kennt, weiß bestimmt wovon hier die Rede ist.


Hawe d´Ehre ihr göttlichen Naturgeister!
Dieses animistisches Denken war für unsere AhnInnen von großer Bedeutung.
Zum einen haben die keltischen Stämme, insbesondere ihre gelehrten DruidInnen keine schriftlichen Aufzeichnungen hinterlassen.
Ganz bewusst, denn Wissen wurde nur mündlich weitergegeben bis man es verinnerlicht hatte, dafür ist eine sehr bildhafte und leicht erspürbare Sprache nötig. Bis heute gelten G´stanzln, Bauernregeln, Sagen und Märchen als Überbleibsel dieser Wissensvermittlung.
Personifizierte Geschichten machen die Natur für uns Menschen leicht erlebbar, das weiß auch die moderne Naturpädagogik.

Zum anderen waren unsere vorchristlichen AhnInnen auch voller Verehrung für die Natur um sie herum.
Sie wussten, dass sie von dieser abhängig sind und sind dementsprechend mit ihrer Umgebung respektvoll und dankbar umgegangen.
So kam es, dass alles, was für ihr Überleben nötig war, ganz natürlich "angebetet" wurde. Es gab nicht den einen Gott, nicht den Allmächtigen. Stattdessen wurden Quellen, Berge, Bäume, Boden, Pflanzen, Tiere,... verehrt. Bitte und Danke gehörte zum Leben dazu, man fragt um Erlaubnis bevor man sich etwas zu Nutze machte und bedankte sich bei der Natur, hinterlies auch kleine Geschenke, sang ein schönes Lied oder machte ein kleines Ritual.

Die dazugehörenden Wesenheiten konnten ortsgebunden sein und nur von den ansässigen Menschen verehrt werden oder in größeren Regionen z.B. als Flüsse, Bergketten etc. auftreten und demnach für mehrere Stämme von Bedeutung gewesen sein. Oder aber auch noch größer als Erdmutter, Mond/SonnengöttIn ganz allgemein verehrt worden sein, was sich auch in den Parallelen weltweiter Kulturen gut zeigt. 
Auch wenn ich hier von der Vergangenheit spreche, sind diese Verehrungen noch immer präsent. Dort wo z.B. noch die Dorflinde steht oder ein Marterl ist, eine Quelle entspringt (z.B. das Agnesbründl in Wien) oder aber auch eine Kapelle oder Kirche darüber gebaut wurde.

Viele dieser Orte haben oft auch besondere Geschichten und ihre Namen sind mitunter sehr aufschlussreich. Oft sind alte Namen mit den Namen Heiliger übertüncht worden, oder aber auch dämonisiert worden, damit die HeidInnen endlich das Weite suchen.
Du kennst vielleicht so einen "Teufelsstein" oder eine "Höllenschlucht"?

Das was wir heute als Kraftplätze bezeichnen galten unseren AhnInnen als "Eingänge zur Anderswelt", man konnte sich dort besonders gut mit der nicht greifbaren Seite des Lebens verbinden. Die Wesenheiten standen dabei hilfreich zur Seite und tun es auch heute noch wenn wir ihnen die Möglichkeit geben. Der Tod eines solchen Naturjuwels hat natürlich auch die Wesenheiten selbst vertrieben oder auch umgebracht, oft haben sie sich dafür auch an den Menschen gerächt. In Island nimmt man daher heute noch auf sein Elfenvolk Rücksicht!


Willendorferinnen
Vieles in der Natur wurde als weiblich betrachtet, da der fruchtbare und lebensspendende Aspekt, aber auch das zyklische Dasein der Natur durch und durch weiblich ist. Dafür gibt es genügend Hinweise, wie etwa die Willendorferin und ihre Schwestern, dennoch gehe ich persönlich nicht davon aus, dass es vor dem Patriarchat ein reines Matriarchat gab.
Vielleicht ganz zu Beginn der Menschheit, aber es ist für mich schwer vorstellbar, dass der männliche Aspekt tausende Jahre ignoriert wurde wo man bei so vielen Dingen so g´scheit war und um das natürliche Gleichgewicht, Polarität und Wechselspiel ganz gut Bescheid wusste und das natürlich das eine Geschlecht ohne dem anderen gar nicht existieren kann.
Brigid kam auch nicht alleine. Sie ritt entweder in männlicher Begleitung am Hirschgott Cernunnos oder wurde vom Bären begleitet.
Diese beiden werden wiederum auch oft weiblich als Hirschkuh oder als die GeBÄRmutter (Bär aus der Höhle) dargestellt.
An dieser Stelle prüfe einfach für dich selber was für dich stimmiger ist (wie natürlich bei allem was ich hier schreibe!).

Nix is fix
Ein weiterer wichtiger Aspekt im Glauben unserer keltischen AhnInnen war, dass nix fix ist. Das Leben verläuft zyklisch und nicht linear, man lebte im Rhytmus der Natur. Im Rhytmus der Tagesphasen, der Mondphasen und der Jahreszeiten. Dementsprechend waren auch die GöttInnen wandelbar. Manchmal ist es verwirrend, wenn GöttInnen mehrere Aspekten in sich vereinen, in Triaden auftreten oder sich untereinander sehr ähnlich sind. Wenn man das Prinzip einmal verinnerlicht hat ist es aber wunderbar philosophisch und durch die flexible Handhabung kann sich jede/r die/der möchte darin wieder finden.
Vielleicht war die mündliche Wissens Weitergabe auch aus diesem Grund ganz bewusst gewählt, so hat man sich an Veränderungen, die die Zeit mit sich bringt, anpassen können und nichts wurde als "in Stein gemeißelt" einfach hingenommen sondern wahrscheinlich immer wieder aufs neue hinterfragt und mit der eigenen Wahrheit überprüft.


Wechselspiel der Göttinnen

Und mit dieser Wandlungsfähigkeit sind wir wieder bei Brigid angekommen. Brigid ist als Vegetationsgöttin im keltischen Jahreskreis die Jüngste, sozusagen das Küken. Sie tritt aus der alten, weisen Göttin der kalten und dunken Jahrezeit hervor, bevor sie im Sommer in die Phase der fruchtbaren und mütterlichen Frau wandelt.
Dieser Zyklus ist unübersehbar mit den Lebensphasen verbunden. Auf das Leben folgt der Tod und, da unsere AhnInnen an Wiedergeburt glaubten, folgt darauf auch wieder das Leben. Altes muss sterben um Platz für Neues zu machen.
Damit nicht nur symbolisch eng verbunden sind auch die Mondphasen, wie ich in einem meiner letzten Blogposts schon beschrieben habe.
Darin zeigt sich ebenso, dass wir jedes Monat (in jedem Menstruationszyklus) durch die Göttinnen Triade wandeln. Aber nicht nur jedes Monat, sondern auch jeden Tag, jedes Jahr und natürlich im Laufe unseres eigenen Lebens.



Be Brigid!
In unserer heutigen linearen Welt denken wir, dass auf jung alt folgt und wenn wir älter werden ist das Leben eh schon wieder vorbei, die Jugend auf ewig verloren, oft kein Platz mehr für Träume oder mutige Veränderungen, auch wenn diese alten Krusten immer mehr aufbrechen. 
Manche fallen daher ins andere Extrem, krampfhaft halten wir uns manchmal an den Äußerlichkeiten der Jugend fest, bäumen uns noch ein letztes mal in der midlife crisis auf bevor das Ende naht und hoffen noch immer auf die Erfindung des Jungbrunnens. Ach wäre doch immer nur Frühling oder Sommer!
Das ist natürlich überspitzt formuliert.

Der ständige Wechsel der dreifachen Göttin und das nebeinander im Kreis existieren zeigt uns wunderbar, wie wir alle Aspekte, jung und alt, in uns harmonisch vereinen können und von allen Eigenschaften profitieren können.
Denn wer oder was hindert uns daran einfach im Herzen jung zu bleiben und dem jungen Ich immer wieder seinen Platz einzuräumen?
Was mal da war verschwindet nicht so einfach, trotz aller Weisheit und Lebenserfahrung die wir im Laufe der Zeit dazu gewinnen.
Jeder unserer Aspekte möchte ganz natürlich gelebt werden ohne in einem Extrem auf sich aufmerksam machen zu müssen. Wir müssen uns nicht festlegen wer wir sind sondern können und jeden Tag neu erleben und probieren.

"Wann du wülst bleibst immer jung!" singen Wolfgang Ambros und Andre Heller und ja, man kann durchaus als 100jährige noch die junge Brigid sein. Wer hat noch nie den Schalk aus den Augen einer älteren Frau (oder auch Mann) blitzen gesehen?
Oder ist einer reifen Frau begegnet die von einem mädchenhaften Zauber umgeben war?
Vor kurzem ging ein Video viral wo ein älteres Paar so wild getanzt hat, dass einem schon beim Zusehen schwindelig wurde, sowas sehen wir gerne! Umgekehrt können natürlich auch schon sehr junge Mädchen bereits viel ihrer Weisheit nach außen tragen, denn auch diese Aspekte sind schon da und dürfen im Laufe des Lebens wachsen und gedeihen.


Wieviel Brigid steckt in dir?
Die junge/jungfräuliche Brigid bist du oder sie begegnet dir immer dann wenn...
  • du Neues ausprobierst und zulässt
  • du auf unbekannten Wegen wandelst
  • du voller Träume und Hoffnung bist
  • du dich kämpferisch zeigst (und hier schließt sich der Kreis zu der oben erwähnten Darstellung Brigids als Kriegerin)
  • du voller Energie und Tatendrang bist
  • du nur ans Heute und nicht ans Morgen denkst
  • du Pläne schmiedest (Göttin der Schmiedekunst)
  • du Luftschlösser baust
  • du neugierig, offen und ohne Vorurteile in die Welt blickst
  • dich die Lebenslust überfällt
  • du mutig bist
  • du neue Gedanken spinnst
  • du einfach Spaß haben möchtest
  • du wild und frech bist
  • deine Lust auf Sex erwacht
  • du unbekümmert durchs Leben tanzt 
  • du dich dem flow hingibst
  • dir jeden Tag neue Wunder begegnen
  • du dich um deine innere und äußere Schönheit kümmerst
  • dich mit schönen Dingen umgibst
  • wenn du mit kindlichem Eifer kreativ bist
  • du spielerisch bist
  • du laut lachst oder scheinbar grundlos vor dich hinkicherst

Vielleicht fallen dir noch mehr Punkte ein, wofür Brigid in deinem Leben stehen könnte. Natürlich können dazu auch andere "junge" Aspekte gehören wie z.B. Unsicherheit, zu sehr im Außen leben, anderen gefallen wollen, "grün hinter den Ohren sein" etc. 
Ohne Wertung sondern einfach als weitere Aspekte der jungen Jahre. 

Da Brigid die nächsten Wochen sehr präsent ist, ist jetzt ein guter Zeitpunkt dich mit ihren Aspekten in deinem Leben auseinander zusetzen. Wie eine gute Freundin nimmt sie dich an der Hand und zieht dich übermütig auf die Tanzfläche des Lebens.
Die Natur und ihr wildes Frühlingstreiben wird euch parallel dazu wunderbar begleiten!


Du möchtest noch mehr wissen? Komm ins Frauenzimmer!

 

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