Heute ist die Nacht der Frau Percht

Heute ist DIE Nacht der Frau Percht(a), der Grenzwandlerin, der Muttergöttin der vorchristlichen Kultur.Vielleicht heißt sie in deiner Region aber auch anders z.B. Frau Hulda/Holle, Hel/ Huldre, Frau Fricke/Frigg, Frau Gode/Wode oder Befana? 

Die Percht hat mich heuer so stark in den Rauhnächten begleitet und fasziniert, dass ich sie noch besser verstehen wollte. Darum habe ich mich in ihre Gestalt verwandelt und mich in sie reingefühlt.




Mit der Percht assoziiert man ja anfangs nicht viel Positives sondern eher eine hässliche alte Hexe, nicht umsonst sagt man bei uns "Schiach wia die/a Percht"
Gerade wenn eine Frau so negativ und hässlich dargestellt wird, hat einst wahrscheinlich jemand dafür sorgen müssen ihr den Glanz zu nehmen.

Und tatsächlich hat die Percht auch eine ganz andere, strahlende Seite! In den Perchtenläufen im Alpenraum wird sie oft auch mit zwei Gesichtern dargestellt.

Im Gasteinertal, wo ich selber schon einige Perchtenläufe miterlebt habe, sagt man:
"Frau Perchta zeigt das Gute und Böse im Menschen in einer Figur. Ein schönes, freundliches Frauengesicht auf der Vorderseite, und ein fratzenhaftes, furchterregendes Gesicht auf der Rückseite. Sie geht freundlich auf umstehende Personen zu, reicht die Hand und dreht sich dann ganz schnell um und zeigt ihr anderes Wesen."


Ihre Namensherkunft ist nicht ganz geklärt, es käme das althochdeutsche “perath” = leuchtend, strahlend oder aber auch das althochdeutsche „pergan” = verborgen in Frage.
Beides passt gut zu ihr. Sie ist strahlend schön und verbirgt gleichzeitig auch eine andere dunkle Seite. Symbolisch für Licht und Schatten, Gut und Böse, Tod und Leben,... Die Percht vereint alles in sich, sie ist heil und sie ist Ganz!
Sie ermutigt Frauen nicht immer nur ihr freundliches Gesicht präsentieren zu müssen, sie steht zu ihrer dunklen Seite und hat keine Angst diese zu zeigen!
Sie weiß, dass sie wandelbar sein darf und sich nicht festlegen muss!


Wenn wir schon bei zwei Gesichtern sind: warum wundert mich nicht, dass der spätere römische Gott Janus, der Namensgeber für den Januar (!) auch mit Blick nach vorne, für den Anfang, und mit Blick nach hinten, für das Ende dargestellt wird? Manchmal erinnert mich das alles an meinen Hund der auch überall drüberpinkelt. Duftmarke "Mann, Römer, Heiliger".

Aber zurück zur Frau Percht: ihre Kostüme im Alpenraum sind oft Spiegelbesetzt. Sie hält uns damit den glänzenden Spiegel vor, damit wir unsere beiden Seiten besser sehen können und uns im Ganzen betrachten können, auch das, was wir nicht so schön finden und lieber verbergen. 


Parallel dazu hat sich bei den Läufen auch die Figur der Vogelpercht erhalten, da die Percht ursprüngliche vielleicht eine Vogelgöttin war, was erklärt, dass Hexen oft mit großen Nasen dargestellt werden.


Die Hauptzeit der Percht sind die vergangenen Rauhnächte, die Übergangszeit mit Blick nach vorne und zurück, die Wende von der dunklen in die helle Zeit. Symbolisch dafür sind im Alpenraum auch die "Perchtensprünge" von Frauen übers Feuer, die ausdrücken, dass man für Veränderung bereit ist.


Die Percht ist eine Strenge, sie sorgt dafür, dass wir uns dem Rhythmus der Natur hingeben, daher ist es von ihr verboten in den Rauhnächten zu spinnen (Räder zu drehen), zu putzen oder Wäsche zu waschen. Damit wir zur Ruhe kommen, in uns gehen, regenerieren, ohne schlechtem Gewissen! Das man keine Wäsche zwischen Weihnachten und Silvester aufhängen darf hat sich im Volksglauben in Österreich bis heute erhalten, auch in der Stadt.
Wer in letzter Zeit Albträume hatte, hat sich vermutlich nicht an ihre Regeln gehalten! Das ist ihre Strafe, angeblich schlitzt sie aber auch Bäuche auf, vielleicht hat jemand von euch auch Bauchweh in den letzten Tagen gehabt?


Sie rauscht mit der wilden Jagd durch die Nächte. Lärmend, rüttelnd, chaotisch, sie wirbelt Staub auf, kein Stein bleibt dabei auf dem anderen, sie setzt Energie frei. Wer einen Perchtenlauf miterlebt hat, weiß welche Energie da zu spüren ist.


Im Volksglauben wird die heutige Perchtnacht (5. auf  6.) auch “Nacht der Leuchtenden" oder "Nacht der Wunder” genannt.
Der Wind in dieser Nacht soll besonders heilig sein, deshalb soll man um Mitternacht Fenster und Türen weit öffnen und als Dank stellt man ihr weiße Speisen, am besten die "Perchtlmilch" vor die Türe, oder noch besser unter ihre Pflanze, den Hollerbusch.


Wenn die Percht heute Nacht bei euch vorbei rauscht, sollte übrigens alles wieder schön aufgeräumt sein. So wie wir in den Rauhnächten Chaos in unsere Köpfen walten haben lassen, gilt es am Ende diese Prozesse nun abzuschließen und die Gedanken fürs neue Jahr geordnet zu haben.


"In da perchtnocht
soi koa wäsch am lein`l hänga
weil do d`percht und ihre gsön umgengan.
koa gluat im ofn und koa offns liacht,
und friah schlof`n geh damit sie s`kind net fiacht.
a schissal perchtmüch am kuchltisch steh lossn
und wer in meistn rahm hot in da friah,
kann si aufs glick im neichn jahr valossn!
oan tog vor dreikini ois sche zaummrama,
de jack`n auf de sessln san da percht a graus!
dann is de perchta z`friedn und geht wieda z`haus."


Kein Wunder, dass die Percht mit all ihren Qualitäten manchen ein Dorn im Auge war. In der ersten schriftliche Erwähnung im 15. Jhd. klagt ein Mönch seitenweise über die 'Unsitte" die "fraw Percht” während der Rauhnächte zu ehren, es wird sogar ein Zusammenhang zur Sonne erwähnt, möglicherweise ist die "Strahlende" und "Verborgene" sogar unsere ursprüngliche Sonnengöttin? 


Jedenfalls wurden sie zur hässlichen Hexe verdammt und alle möglichen Heiligenfiguren durften rund um Weihnachten ihren glänzenden Part übernehmen. Wenn der Mönch wüsste, das die Percht trotz aller Anstrengungen 2020 noch immer präsent ist!


Thx an AlexanderHuber/ pixabay