Heute kommt der Nikolo, oder doch der Fliegenpilz?

Heute kommt der Nikolo! 🍄🎅🍄 

Das mit der Herkunft vom Nikolo ist nicht so einfach und erinnert ein bisschen an die Löwinger Bühne mit 1000 Darstellern und großer Verwirrung. Als Kind habe ich mich gefragt, ob der Nikolo nicht eh auch der Weihnachtsmann ist, oder ob im Kostümverleih im Dezember nur "Rauschebart weiß mit Jutesack" verfügbar ist.

Der ursprüngliche Nikolo soll ja der Bischof von Myra in Anatolien aus dem 4. Jhdt. sein.

Vielleicht ist er aber eigentlich Wodan(Odin), der Göttervater, Krieger und Magier. Der Legende nach ritt er hoch zu acht- beinigem Ross "Sleipnir" in den Lüften mit seinem Speer,  Rauschebart, spitzem Hut, eingehüllt in seinen (oft rot dargestellten) Mantel und vertrieb die Dunkelheit.
Ihm zu Ehren (und als Futter für das Ross) hat man angeblich auch vor unserem Nikolo zu dieser Jahreszeit Schuhe mit Äpfeln und Nüssen als Dank und Zeichen der Fruchtbarkeit bereitgestellt, hat sich dafür aber eine Belohnung erwartet.
 

In Thüringen hat sich dazu ein Kindervers erhalten: 
„Wer kommt denn da geritten?
Herr Wude, Wude Nikolaus!
Laß mich nicht lange bitten
Und schüttle deinen Beutel aus.“ 


Die holländische Nikolo Version "Sinterklaas" ging dann irgendwann auf große Amerika Reise, stieg dort moderner auf Schlitten mit Rentier um (wahrscheinlich hatten auf dem Schlitten mehr Geschenke Platz, schließlich ist in den USA mehr zu tun als in den Niederlanden) und stellte sich fortan, wahrscheinlich mit breitem Akzent, als "Santa Claus" vor.

Coca Cola hat ihn dann, wie wir ihn heute kennen, weltweit populär gemacht, in Anlehnung an eine Darstellung aus dem 19. Jhdt.
(Warum er dann plötzlich am 25. auftaucht ist übrigens eine andere Geschichte.)
 

Und dann ist da noch der Weihnachtsmann im hohen Norden, der seinen Hauptwohnsitz in Finnland hat und dort ganzjährig anzutreffen ist (in heißen Spanien wäre das auch weniger glaubwürdig und zu warm mit dem Mantel) Im Norden leben auch viele Rentiere und die fressen sehr gerne Fliegenpilze, man nimmt an primär wegen der Rauschwirkung. Die dort ansässigen Schamanen haben das beobachtet und nachgemacht. Nach dem Konsum konnten Rentiere und der Schamane förmlich fliegen. 



Und weil Schamanen während Ritualen gerne die Gestalt verehrter Tiere oder Pflanzen annehmen, haben sie sich hierfür rot- weiß gekleidet um dem Fliegenpilz noch näher zu sein.
 

Der Ethnopharmakologe Dr. Christian Rätsch schreibt dazu in seinem heiteren Buch "Abgründige Weihnachten":
"Geboren wurde das, was heute der Weihnachtsmann ist, aus einem berauschenden Ritual archaischer Schamanen, die einem Fliegenpilzkult fröhnten. Der rot-weiß gekleidete, Geschenke verteilende Weihnachtsmann ist eigentlich ein Fliegenpilz, genauer gesagt ein antropomorpher Fliegenpilz, ein gedanklich zu einer Menschengestalt transformierter Pilz."


Als Gabe zur Wintersonnenwende haben die Schamanen ihren "Glückspilz" aber auch gerne verteilt und da durch den vielen Schnee im hohen Norden die Häuser eingeschneit waren, kam alles Gute von oben durch den Kamin. Hätten wir das auch geklärt.


Übrigens wachsen Fliegenpilze gerne im Nadelwald, vielleicht stellen wir deswegen auch Nadelbäume im Wohnzimmer auf, damit sich der Fliegenpilz als Gast bei uns wohl fühlt. Spätestens zu Silvester ist er präsent, denn da verschenken wir ihn als Plastik- oder Bleifigur. Für viel Glück(Seligkeit) und einen guten Rutsch, mit oder ohne Rausch, ins neue Jahr. 


Und fertig ist das heitere Theaterstück! Glaubt doch was ihr wollt! 🎅

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