Der Glühwein der Sabinerin

Heute nehm ich euch mit ins alte Rom, als der Glühwein noch keine Zuckerplörre war und man zu Weihnachten Stechpalme im Haar trug.



OK, das mit der Stechpalme hab ich mir ausgedacht. Und Weihnachtsmärkte mit Glühweinständen gab's auch keine.
Ob die Römer den Glühwein erfunden haben lässt sich auch nicht mit Sicherheit sagen, aber sie haben uns zumindest ein antikes Rezepte für Gewürzwein hinterlassen.

Den nannten sie "conditum paradoxum" und das Rezept stammt aus dem ältesten erhaltenen Kochbuch der römischen Antike 

"De re coquinaria" („Über die Kochkunst“) 


Das Originalrezept liest sich so:

🍷15 Pfund (ca. 5kg) Honig
🍷20 Sextarien (ca. 10l) Wein 
🍷4 Unzen (ca. 100g) Pfeffer 
🍷3 Skrupel (ca. 3,5g) Mastix 
🍷1 Drachme (ca.4,5g) Lorbeer 
🍷1 Drachme Safran 
🍷5 geröstete Dattel Kerne 
🍷5 in Wein eingelegte Datteln

Da ich keine römische Legion zu versorgen habe, habe ich die Zutaten reduziert und raus kam dabei der "Glühwein der Sabinerin"


🍷100g Honig 
🍷1l Weißwein (wegen der schönen Safrangelben Farbe warats)
🍷5g Pfeffer 
🍷Kein Mastix
🍷1 Lorbeerblatt
🍷Eine Prise Safran
🍷2 geröstete Dattel Kerne
🍷2 in Wein eingelegte Datteln

Zubereitung: 


🍷Den Honig mit etwas Wein auf kleiner Flamme zu einer Honigbrühe einkochen, mit Wein ablöschen. Insgesamt 3x aufkochen bis es schäumt und dann immer wieder abkühlen lassen. (Honig war damals nicht so rein wie heute, darum wurde er abgekocht aber hier versteckt sich auch Zauberei: die magische 3 und die Veredelung mit Feuer) das ganze 1 Tag stehen lassen 
🍷Datteln entkernen, die Kerne in einer Pfanne ohne Fett anrösten und das Fruchtfleisch in etwas Wein einlegen und auch über Nacht stehen lassen.
🍷Am nächsten Tag die Honigbrühe, die Datteln und Kerne mit alle restlichen Zutaten und dem restlichen Wein vermengen.
🍷Es steht zwar nicht explizit im Original das Ganze nochmal zu erwärmen, es hat sich aber richtig angefühlt und ich hab es nochmal aufgekocht.



Ehrlich gesagt war ich skeptisch und ich glaube mit den Original Mengen wäre es doch eine pfeffrig scharfe Honigplörre geworden. Aber wir wissen ja, dass die Römer spinnen. Als ich den Gewürzwein gekostet habe, war ich mir dann aber nicht mehr sicher, ob noch etwas zum Fotografieren übrig bleibt. Das Zeug schmeckt wirklich fantastisch!

Der Pfeffer-Safran Note hat's mir angetan und heuer kommt mir sicher nichts anderes ins Häferl oder Glas. Denn man kann das Ganze heiß oder kalt trinken und in saubere Flaschen abgefüllt auch mehrere Wochen lagern. Es heizt auch kalt getrunken ziemlich ein und wenn man weiß, daß Pfeffer, Datteln und Safran aphrodisierend wirken, kann man sich vorstellen, worauf die Römer mit ihrem Gewürzwein eigentlich aus waren. ❤️

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