Beinwell, mein Boalrichter

Herbstzeit ist Wurzelzeit, denn schön langsam ziehen sich die Pflanzenkräfte Richtung Erde zurück. Darum möchte ich euch heute eine meiner Lieblingswurzeln vorstellen, die mir auch schon wirklich gute Dienste geleistet hat. Wie Natur wirkt, durfte ich nämlich heuer wieder am eigenen Leib erfahren, ich sage aber auch gleich vorweg, dass ich damit kein Heilversprechen gebe und bei gesundheitlichen Beschwerden stets ärztlicher Rat einzuholen ist!

Mich mit Naturheilkunde und Volksmedizin zu beschäftigen hat natürlich den Vorteil, dass man bei kleineren Wehwechen alles theoretisch Gelernte und Gelesene in der Praxis ausprobieren kann. Nicht dass ich mich freue, wenn ich eine Verletzung habe oder kränklich bin, aber ein Erfolgserlebnis im Krankheitsfall ist dann natürlich schon etwas Erfreuliches.

In diesem Fall hatte ich nach einer Wanderung ein "beleidigtes Knie". Nichts Grobes, nichts was mir Schmerzen bereitet hätte, aber doch unangenehm, wenn man ein Haus mit vielen Treppen hat und generell sehr bewegsungsfreudig ist und irgendwie nicht so kann wie man gerne möchte. Mamas Topfenwickel und eine Brennesselabreibung haben zwar etwas geholfen, aber irgendwie war das dumpfe Gefühl länger da als erwartet.

Also habe ich beschlossen, die Koryphäe der Boalrichter (Boalrichter werden im Alpenraum Knochenheiler genannt, die mit Beschwörungen arbeiten) Herrn Beinwell zu konsultieren und um Heilung zu bitten, zum Glück habe ich ihn schon vorletztes Jahr bei mir im Garten angesiedelt und er fühlt sich dort auch sehr wohl, entpricht der Teil des Gartens auch ganz seinen Vorlieben: feucht und eher schattig.

Der Beinwell ist etwa knie- bis hüfthoch, seine Blätter sind rauh (ähnlich seinem Verwandten dem Borretsch) und weisen auffällig gezeichnete Blattnerven auf, ab Mai zeigt er sich in ganzer Pracht mit lila Blüten. (Je nach Art sind auch andere Blütenfarben möglich.)


 

Wie sein Name "echter Beinwell" (Symphytum officinale) schon sagt, macht er "Beine wieder well", also gut, wobei sich "Beine" generell auf Gebeine bezieht, so wie man im Wienerischen auch noch "Bana" allgemein zu Knochen sagt.
Andere Volksnamen sind auch Beinwurz oder Wallwurz, "wallen" ist hierbei das mittelhochdeutschen Wort für „zusammenwachsen, heilen".
Auch Symphytum, abgeleitet vom griechischen symphyein, bedeutet zusammenwachsen.
Mit einem Wort: Beinwell fügt zusammen, was zusammen gehört!

In der Volksheilkunde wurde der Beinwell zur Heilung des Bewegungsapparates eingesetzt. Man liest in diesem Zusammenhang oft "seit der Antike bekannt" ich konnte dazu aber keinen verlässlichen Hinweis finden. Der griechische Arzt Dioskurides aus dem 1. Jahrhundert erwähnt zwar in seinem Werk „Materia Medica“eine Pflanze mit dem Namen Symphyton die dem Beinwell zu ähneln scheint, es könnte sich dabei aber auch um eine andere Pflanze handeln.
Sicher ist aber, dass meine Lieblingsklosterschwester Hildegard von Bingen den Beinwell bereits verwendet hat und dieser daher spätestens zu ihrer Zeit im 12. Jahrhundert Einzug in die Klostergärten gefunden hat.
Für mich auf jeden Fall lange genug um mich auf das Wissen und die Erfahrung unserer Ahnen verlassen zu können und an mir selbst rumzudoktern.




Verwendung in der Volksheilkunde

  • Unterstützend und stärkend bei:
  • stumpfen Schmerzen im Bewegungsapparat
  • (schlechtheilenden) Knochenbrüchen
  • Rheumatischen Erkrankungen
  • Gelenkspoblemen
  • Knorpelproblemen
  • Bänderproblemen
  • Muskelschmerzen
  • Prellungen
  • Verstauchungen
  • Zerrungen
  • Quetschungen
  • Blutergüssen
Sowohl bei "frischen" als auch älteren Verletzungen.
Dafür wurde vor allem die Wurzel verwendet. Diese "erntet" man (an Stellen wo es erlaubt ist, z.B. im eigenen Garten) am besten zur Wurzelzeit von Oktober bis April, wenn die Kraft der Pflanze sich dorthin zurückzieht.

Die schleimige Wurzel wurde zu einem Brei gestampft und äußerlich (auf intakter Haut!) verwendet indem der Brei auf die betroffene Stelle aufgelegt wurde. Umwickelt werden konnte das Ganze zusätzlich mit den großen Beinwellblättern. Bei Knochenbrüchen hat man parallel zur Behandlung übrigens auch einen "Analogzauber" angewandt: die Beinwellwurzel wurde symbolisch gebrochen, bandagiert und ins Eck gestellt um die Genesung bei Knochenbrüchen zu fördern. 


Was dahinter steckt
Heute weiß man auch warum Beinwell tatsächlich funktionieren kann:
Beinwell enthält u.a. den Wirkstoff Allantoin, dieser fördert den Zellaufbau und wirkt gewebsbildend, sowie den Inhaltsstoff Cholin, das die Durchblutung verstärkt. Weitere Inhaltsstoffe wie Gerbstoffe, Schleimstoffe und Saponine wirken entzündungshemmend und abschwellend.

Daneben enthält Beinwell auch die berühmt berüchtigten Pyrrolizidinalkaloide (die der Pflanze als Fraßschutz dient). Isoliert angewendet hat man in Tierversuchen eine leberschädigende und krebsauslösende Wirkung festgestellt. Auch wenn Beinwell äußerlich als Gesamtpaket angewendet wird, sollte die Anwendung auf einen Zeitraum von 4 Wochen beschränkt werden, wenn der Beinwell bis dahin nicht seine Wirkung tut, ist so oder so mehr im Argen. Vom Gebrauch bei Kleinkindern, Schwangeren und Stillenden wird generell abgeraten.

Der Einfachheit halber habe ich für mein Knie auf die Anwendung mit "Brei" verzichtet und mir lieber eine Salbe gerührt.



Zutaten:

  • eine mindestens fingergroße Beinwellwurzel (frisch selbst gegraben oder getrocknet aus der Apotheke, getrocknet etwas mehr verwenden)
  • 50g Sonnenblumen Öl (da geruchsneutral und optisch relativ klar)
  • 5g Bienenwachs
  • 1 EL Wasser
Optionale unterstützende Zutaten die bei mir auch in die Salbe gewandert sind: eine "Prise" (was man mit 3 Fingern gut fassen kann) Johannisblüten, Ringelblume, Rosmarinnadeln, Beifuß, ein Stück Fichtenharz (am besten pulverisiert)

Zubereitung:

1. Die frische Beinwellwurzel mit einer Bürste und Wasser putzen und sehr klein schneiden

ODER: eine saubere, getrocknete Wurzel pulverisieren und etwas mit Wasser anfeuchten

2. Beinwellwurzel in ein feuerfestes Glas geben und mit ca. 50 ml Sonnenblumenöl und dem EL Wasser auffüllen

3. eventuell weitere wirksame Zusätze die im Öl mitausgezogen werden können zugeben

4. Das Ganze im Wasserbad erwärmen und bis zu 60 Minuten kräftig vor sich hinsimmern lassen dabei immer wieder sonnenläufig umrühren. Von Kaltauszügen rate ich an dieser Stelle ab, da die feuchte, schleimige Wurzel das Öl schlierig und gärig machen könnte. Der Hauptwirkstoff Allantoin hält bis zu 80 Grad aus (heißer wirds auch nicht, ev. mit Thermometer arbeiten) und ist wasserlöslich, darum auch die kleine Zusatzmenge Wasser, die während dem köcheln mitemulgiert bzw. verdampft. Meiner Meinung nach, braucht diese Zubereitung auch die wärmende und transformierende Kraft des Feuers. Aber spür einfach in dich rein, wie du es für dich als richtig empfindest, sonst mach einen Kaltauszug.

5. vom Herd nehmen und am besten über Nacht ziehen lassen. Dieser Vorgang kann mehrmals wiederholt werden, man erkennt an der veränderten Farbe und Geruch, dass sich etwas getan hat, u.a. ein Grund warum ich für meine Zubereitungen die mittlerweile heimische Sonnenblume mit ihrer positiven Ausstrahlung bevorzuge.

6. Öl im Anschluss gut abfiltrieren

7. Wieder im Wasserbad zusammen mit 5g Bienenwachs erwärmen bis das Bienenwachs geschmolzen ist

8. In sauberen und lichtgeschützten Tiegel abfüllen

Gerührt wird natürlich stets mit guten und heilenden Gedanken :)


Hats bei mir geholfen?
Und wie! Meine Boalsalbe riecht nicht nur fantastisch sondern sie hat- ich schwöre- nach 3 Tagen ihre Wirkung getan! Seitdem springe ich wieder rum wie ein junges Reh.

Ich habe sie 3x am Tag zusammen mit dem Zauberspruch ABRACADABRA des Serenus Sammonicus aus dem 2. Jahrhundert verwendet:
„Schreibe auf ein Blatt Papyrus das Wort ABRACADABRA und wiederhole es oft, indem du von oben nach unten gehst, lassen dabei immer einen Buchstaben weg, bis nichts übrig bleibt als ein Buchstabe.“
Wie das Wort abnimmt, so sollen das Unheil, das Übel, die Krankheit weggehen.

ABRACADABRA
ABRACADABR
ABRACADAB
ABRACADA
ABRACAD
ABRACA
ABRAC
ABRA
AB
A



Hinweis: angeführte mögliche Heilwirkungen und Anwendungen von Pflanzen und Zubereitungen basieren auf dem Wissen der Volksheilkunde und sind nicht als Heilversprechen oder ärztliche Handlungsempfehlung zu verstehen!
Bei gesundheitlichen Beschwerden konsultiere deinen Arzt oder Apotheker!


(C) naturzauber, Köhler’s Medizinal-Pflanzen

Kommentare