Heute ist "Tag des Waldes"- Zeit um ein Waldbad zu nehmen!

Heute ist Tag des Waldes. Schön dass es dich gibt lieber Wald!
Denn was wäre ein Leben ohne Wald? Was wäre Wien ohne seinen berühmten Wienerwald? Es wären nicht nur klimatische Auswirkungen zu spüren sondern viele Wiener, die es in ihrer Freizeit in den Wald zieht, wären um ein Stück kostbare Lebensqualität ärmer.
Doch was gibt uns der Wald tatsächlich so Besonderes, warum ist "im Wald sein" aka "Waldbaden" plötzlich so in?

Was ist Waldbaden überhaupt? 
Naturfreunde wussten es schon längst: Wald tut einfach gut.
Zu dieser Erkenntnis kam letztendlich auch die Wissenschaft die seit den 1980er Jahren in verschiedenen Studien die positiven Auswirkungen des Waldes auf unseren Organismus erforscht, allen voran der Nippon Medical School in Tokio und Professor Qing Li haben wir wesentliche Erkenntnisse zu verdanken.

Aus Japan stammt auch der Begriff „Shinrin-Yoku“ was soviel bedeutet wie „mit dem Wald eins werden und seine Atmosphäre aufsaugen“ oder zu Deutsch auch einfach "Waldbaden".

Shinrin Yoku wird vom japanischen Gesundheitswesen als fixer Bestandteil eines gesunden Lebenstils empfohlen.

Was zunächst nach einer speziellen "Methode" klingt ist in Wirklichkeit ganz einfach: man geht mit allen fünf Sinnen in den Wald.
Du trittst ein in die mächtige Halle des Waldes, über dir die stattlichen Baumkronen mit ihren faszinierenden Lichtspielen.

Du setzt langsam und bedacht einen Schritt nach dem anderen und spürst unter deinen Füßen den weichen Walldboden, Stock und Stein.
Du spürst die kühle und frische Luft auf deiner Haut und in deinen Lungen, hörst das Zwitschern der Vögel, das Rascheln der Blätter.

Deine Nase nimmt den frischen aber euch erdig- modrigen Geruch des Waldes wahr, im Vorbeigehen streifst du Blätter und Rinde, vielleicht findest du auch ein paar süße Beeren oder einen Baum zu dem du dich besonders hingezogen fühlst...





Das ist Waldbaden. Keine neue Sportart bei der man sich körperlich anstrengen muss oder Kilometer zurücklegen muss. Keine Kräuterwanderung oder Naturexkursion, kein survival Training.
Es geht einfach darum möglichst achtlos Zeit im Wald zu verbringen. Ins "sein" zu kommen, in den sogenannten "Flow" wo man alles rundherum vergisst, wo Zeit keine Rolle mehr spielt, wo man nicht daran denkt, was man nachher noch erledigen muss oder man zu Abend essen wird. Wo man am Besten auch nicht auf Hund und Kind aufpassen muss, wobei natürlich nichts dagegen spricht mit ihnen im Wald zu spielen und so alles rundherum zu vergessen.

Denn das tut nicht nur der Seele gut sondern der Aufenthalt im Wald kann sich tatsächlich auch positiv auf unsere physische Gesundheit auswirken.


Das sagt die Wissenschaft zum Thema Waldbaden
Phytonzide
Wir sind umgeben von Mikroben (z.B. Bakterien, Viren, Pilze), guten und schlechten, mit vielen davon kommen wir über die (Atem)Luft in Berührung. Auch im Wald begegnen uns Mikroben, interessant sind für uns dabei besonders die sogenannten „Phytonzide" die vor allem im Sommer in Nadelwäldern zahlreich vorkommen, da sich Nadelbäume mit deren Ausdünstung Abkühlung verschaffen. 
Phytonzide sind aber auch eine Art Selbstschutz des Baumes der verhindert, dass er von z.B. Insekten angefressen wird, in dem Phytonzide das Wachstum der eingreifenden Organismen verhindern und bei Angriffen daher vermehrt ausgeschüttet werden.
Gleichzeitig dienen sie Bäumen auch als Art Kommunikationsmittel um Artgenossen vor drohender Gefahr, wie etwa Schädlingen, zu warnen. Dafür schütten sie eine Untergruppe der Phytonzide, die sogenannte Terpenoide aus. Diese sind für uns, vor allem in Nadelwäldern bei feucht- warmen Wetter, sogar gut riechbar und Bestandteil der ätherischen Öle.
Bei jedem Waldbesuch atmen wir daher unwillkürlich jede Menge der Phytonzide ein und nehmen diese auch über unsere Haut auf. Erstaunlicherweise reagiert der menschliche Körper ähnlich wie die Bäume: unsere Immunsystem wird gestärkt und das Einatmen der Terpenoide lässt uns NK-Zellen (natürliche Killerzellen) bilden. Diese gehören zu den Lymphozyten (Untergruppe der weißen Blutkörperchen) und sind in der Lage, abnormale Zellen wie z.B. Tumorzellen zu erkennen und abzutöten.
Darüber hinaus hat die Untersuchung des Blutes der Probanden ergeben, dass deren Blut nach einem Waldbesuch sauerstoffreicher und gesättigter war als bei jenen, die sich den ganzen Tag in der Stadt aufhalten. 
Hormon DHEA
Der Aufenthalt im Wald lässt unsere Körper vermehrt das Hormon DHEA (Dehydroepiandrosteron) ausschütten. DHEA wird in der Nebennierenrinde gebildet und ist eine Vorstufe des weiblichen Geschlechtshormones Östrogen und des männlichen Androgens.
Ihm wird eine schützende Wirkung für Herz, Gefäße und Nervenzellen zugeschrieben aber es soll auch die Kollagenbildung ankurbeln und dadurch für straffe Haut sorgen. Darüber hinaus wird es auch als "Anti- Stresshormon" bezeichnet, denn es wirkt dem Stresshormon Cortisol entgegen. Bei Frauen soll es sogar das Sexualleben positiv beeinflussen.
Mit zunehmendem Alter (ab etwa 30), bei Schlafmangel und bei Stress lässt die Produktion DHEA nach, wir können mit einem Waldbesuch dagegegen wirken und die Produktion wieder ankurbeln.
Parasympatikus
Die Stimmung im Wald trägt dazu bei, dass unser Parasympatikus, unser sogenannter Ruhenerv der für unsere Erholung und Regenration verantwortlich ist, aktiviert wird. Das lässt die Werte unserer Stresshormone (Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin) sinken und wirkt sich daher positiv auf unserer Befindlichkeit aus, vor allem wenn wir an Panik- und Angststörungen, Depression oder Burn out leiden.
Wir fühlen uns nach einem Waldbesuch energiegeladener und vitaler, gleichzeitig konzentrierter, innerlich aber ruhiger und schlafen besser. Studien zufolge treten die ersten Effekte bereits nach 20 Minuten ein, was wahrscheinlich jeder Waldbesucher so bestätigen kann.
Regeneration
Wir regenerieren besser. 1984 konnte der schwedische Arzt Roger Ulrich nachweisen, dass allein der Anblick eines Baumes aus dem Krankenhausfenster dafür sorgte, das Patienten schneller gesund werden.

Alles im grünen Bereich
In der Farbpsychologie wird die Farbe grün, die uns im Wald häufig begegnet als beruhigend aber auch als erfrischend und lebendig bezeichnet, das wirkt sich auf uns aus.

Abkühlung & Stille
Das kühle Waldklima kann uns natürlich auch vor der körperlichen Belastung an heißen Tagen schützen oder zusammen mit der Stille im Wald auch Kopfschmerzen lindern.

Augen
Bildschirmgeschädigte Augen profitieren davon den Blick in die Ferne schweifen zu lassen.

Bewegung
Bewegung tut natürlich immer gut, vor allem das Gehen auf dem weichen Waldboden ist für Gelenke und Rücken wesentlich schonender als auf hartem Asphalt.
 



In welchem Wald kann man baden?
Wenn du jetzt sofort von den Vorzügen des Waldbades profitieren möchtest, brauchst du nichts weiter zu tun als den nächsten Wald aufzusuchen und dort Zeit verbringen. Das muss kein spezieller Wald sein, jeder (für dich) schöne Wald ist dafür geeignet, auch wenn es mittlerweile schon eigene "Therapiewälder" wie z.B. im deutschen Usedom gibt. Wie schon weiter oben erläutert, eignen sich besonders gut Nadelwälder, da diese vermehrt Phytonzide ausschütten. Je tiefer du dabei in den Wald eintauchst, umso besser.

Wann und wie lange soll ich im Wald baden?
Forscher fanden heraus, dass sich nach einem zweistündigen Waldspaziergang die Anzahl der Killerzellen um etwa 50 Prozent erhöht und der Körper noch in etwa 7 Tage von der "Wald Kur" profitiert.
Für einen besonders nachhaltigen Effekt auf das Immunsystem wird empfohlen einmal im Monat an 2 (oder noch besser 3) hintereinander folgenden Tage jeweils 4h im Wald zu verbringen. Der Effekt hält dann für ca. 1 Monat an.
Eine besonders hohe Anzahl von Phytonziden findet man im Sommer, nach dem Regen oder generell bei feucht- warmen Wetter vor.


Empfehlungen zum Waldbaden
Dr. Qing Li hat auch einige Empfehlungen zum Waldbadenen gegeben, zusammengefasst:

  • Es sollen in etwa 1km/h zurückgelegt werden, du siehts das ist wirklich sehr gemächlich.
  • Auf keinen Fall sollten wir dabei ermüden, wähle deine Strecke deiner Konstitution entsprechend.
  • Gegebenenfalls Pausen einlegen dort wo wir uns wohl fühlen, dabei kann man lesen, beobachten oder auch meditieren.
  • Er empfielt dabei trotz geringer Anstrengung genug zu trinken (Wasser, Tee) und auch einen kleinen Snack mitzunehmen. 

Was ich empfehle
Schalte dein Handy ab und nimm dir ausreichend Zeit (wobei eine Stunde ja auch besser ist als nichts)
Gehe langsam und bewusst, nimm alles herum um dich wahr, versuche alle deinen 5 Sinne einzusetzen.
Oder setz dich hin, atme tief und bewusst, versuche dich mit Mutter Erde zu verwurzeln. Du könntest dabei auch ein Tier längere Zeit beobachten. Lass deine Phantasie freien Lauf. Oder versuche ein bisschen zu meditieren oder auf Traumreise zu gehen. Wenn du dir dabei schwer tust, hilft die vielleicht dieses Video, dass du dir als mp3 konvertieren könntest.

Ansonsten gibt es keine Regeln, wie schon oben beschrieben geht es wirklich nur darum alles rundherum so gut es geht zu vergessen, zu entschleunigen, einmal kein Ziel zu haben, die Seele einfach baumeln zu lassen, uns dabei zu erden und somit ein Stück unserer eigenen Natur näher zu kommen. Lass den Wald einfach auf dich wirken, er heißt dich willkommen!




Natürlich ist das aber auf Anhieb auch nicht immer so leicht wie es klingt, wir wissen wie schwer es ist "abzuschalten" da wir gewohnt sind, "Smartphone sei Dank", ständig mit Impulsen gefüttert zu werden. Die Natur nimmt uns aber an der Hand und hilft uns mit ihren natürlichen Reizen zur Ruhe zu kommen.

Außerdem lade ich dich zum wiener.wald.baden ein

 um dich als Wald Bademeisterin dabei zu unterstützen ins "Dasein" zu kommen und mit mir in den Wald einzutauchen.
   
Nächste Termine:
Sa. 25.05. 2019 10.00- 13.00
So. 13.10. 2019 10.00- 13.00

 
 
Hier auch noch ein paar Buchtipps für deinen Waldbade Aufenthalt:


"Der Biophilia Effekt -Heilung aus dem Wald" von Clemens G. Arvay
 
"Der Wald" von Peter Wohlleben

"Der heilige Hain" von Christian Rätsch

"Waldbaden – das kleine Übungshandbuch für den Wald" von Ulli Felber



So genug über den Wald geschrieben, ich gehe jetzt natürlich auch gleich Waldbaden! Und wer noch nicht genug hat:

im Fair Living Magazin gibt es aktuell ein kurzes Interview mit mir zum Thema


 
 
"Ich ging im Walde
so vor mich hin,
und nichts zu suchen,
das war mein Sinn."

J. W. v. Goethe





Bitte beachte bei diesem Artikel unbedingt: natürlich kann der Wald (oder generell Natur) unser physisches und psychisches Wohlbefinden positiv beeinflussen, vor allem im präventiven Bereich.
Dr. Wald ersetzt aber nicht die Schulmedizin! Bitte daher bei gesundheitlichen Problemen unbedingt einen Arzt aufsuchen.


Quellen:
"Effect of forest environment on human immune function" Qing Li
"Der Biophilia-Effekt"Clemens Arvay 

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