Mittwoch, 26. September 2018

Kann Baumsterben auch sinnvoll sein?


Kann Baumsterben auch sinnvoll sein? 🤔Durchaus! 😮 
So gesehen diesen Sommer im apokalyptisch wirkenden Pietzmoor in Lüneburg, das mich nachhaltig beeindruckt hat.
Zuerst mag man denken, "Oh den Bäumen hier scheint es aber nicht gut zu gehen" aber wenn man den Lebensraum Moor einmal verstanden hat, dann kann man das Baumsterben plötzlich auch positiv sehen. 


Aber mal der Reihe nach:
Moore zählen zu den Feuchtgebieten. Sie entstehen, wenn Grundwasser durchgehend an der Oberfläche steht, man spricht dann von einem Niedermoor, oder wenn die Verbindung zum Grundwasser aufgrund der Bodenbedingungen abgeschnitten ist und sich in Vertiefungen Regenwasser sammelt das nicht versiegt, man nennt diesen Typ Hochmoor. 
Dort wo Wasser 💦 steht herrscht Sauerstoffarmut und damit verbunden lebensfeindliche Bedingungen mit saurem Millieu und Nährstoffarmut.
Nur daran angepasste Spezialisten können sich hier ansiedeln und die sind so speziell und schlau 🤓dass manche von ihnen ihre Nährstoffe wie vom Pizzaservice 🍕 in Form von Insekten 🐜 geliefert bekommen, man kennt sie auch als "Fleischfressende Pflanzen"
Andere, wie das Torfmoor, bilden ganze Teppiche über dem Moor und scheint recht genügsam zwischen der sauren Brühe und Sonne ☀️ mit Luft und Liebe ❤️ klar zu kommen.
Die Brühe sorgt auch dafür, dass mehr Pflanzenmaterial auf- als vollständig abgebaut werden kann, was dabei übrig bleibt ist Torf.
Ab wann ist ein Moor ein Moor? 🎶 Sobald die Torfschicht 30cm hoch ist, wer möchte kann ihr beim Wachstum, der 1mm/ Jahr beträgt gerne zusehen 😉
Wer vor einem "richtigen" Moor weiß, man hat es hier mit einem mind. 300 Jahre alten Lebensraum zu tun.
Das Torf hat man früher auch als Brennmaterial verwendet und damit den uralten Lebensraum trockengelegt und dadurch zerstört, aber warum hätten unsere Ahnen g'scheiter sein sollen als wir heute?
Im Pietzmoor war der Abbau zwischen 1860 und 1960 am intensivsten. Dazu kam, dass ab den 60ern Rock'n'Roll und toupierte Haare cooler waren als Schafe hüten 🐑 und somit die Lüneburger Schnuckenherden Geschichte waren. Die Landschaft verbuschte ohne seine Schäflein und ein paar Jahre später haben sich durstige Birken und Kiefern ausgebreitet die dem Moor den letzten Rest gaben. Die 60s sind aber auch bekannt für Blumenkinder 🌺 und so begann man Anfang der 70er das Moor zu revitalisieren und zu bewässern. 
Die Birken und Kiefern die derzeit die Landschaft so bizarr prägen sind also gerade am Absaufen, und jeder tote Baum ist ein Gewinn für das Moor das sich langsam seinen Raum zurückerobert.
So nah können Tod und Leben beinander liegen.
Bis sich wieder eine geschlossene Hochmoorfläche bildet, wird es noch einige Jahrhunderte brauchen und damit dazwischen niemand auf blöde Ideen kommt hat man das Pietzmoor zum "Natura 2000" Schutzgebiet erklärt.

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