Donnerstag, 25. Januar 2018

Leben im Jahreskreis: Imbolc

Auch wenn es draussen noch winterlich-kalt ist, so spürt man doch schön langsam die Natur erwachen. Die Tage werden wieder merklich länger, die dunkle Zeit der letzten Monate scheint überwunden. Am Morgen höre ich bereits die ersten Vogelstimmen, die Eichhörnchen sind wieder unterwegs und auch der Specht im Ahornbaum vor meinem Fenster macht mit seinem Klopfen wieder auf sich aufmerksam.

In wenigen Wochen ist auch tatsächlich schon Frühlingsbeginn, ein Sonnenfest das wir auch heute noch bewusst wahrnehmen.
In Vergessenheit geraten sind aber, bis auf Samhain (Halloween bzw. Allerseelen), unsere Mondfeste dazwischen. Über das erste Mondfest im Jahr "Imbolc", das dieser Tage stattfinden, möchte ich ein bisschen erzählen.

Da es nur wenige sichere Informationen und keine exakten Überlieferungen darüber gibt, wie und wann genau die einzelnen Sonnen- und Mondfeste im vorchristlichen Europa gefeiert wurden, muss man sich verschiedener Quellen bedienen um zu erahnen, wie es sich zugetragen haben könnte. Manche Rituale haben sich im Brauchtum erhalten, Vieles wurde im Zuge der Christianisierung einfach von der Kirche "übernommen" und umgemodelt, im Fall von Imbolc zu "Lichtmess". Aber ich liebe es diese Puzzlesteine zusammen zufügen und meine Aha Momente zu erleben.

Imbolc markiert den Beginn des Vorfrühlings, das Erwachen der Natur und die Zunahme des Lichtes.

Der genaue Zeitpunkt an dem Ibolc stattfindet wird oft mit der Nacht zum 1. Februar angegeben, oder auch nach dem Sonnenkalender berechnet am 02. Februar. Da es sich aber um ein Mondfest handelt, ist davon auszugehen, dass das Fest nicht zu einem fixen Datum gefeiert wurde, sondern -ähnlich wie wir es auch heute noch mit dem Osterfest handhaben- beweglich war.
Der Anthropologe W.D. Storl schreibt in seinem Buch "Die Pflanzen der Kelten", dass die Mondfeste zu Vollmond stattfanden. In anderen Quellen wird auch immer wieder von anderen Mondphasen berichtet, je nachdem welche Symbolik zum jeweiligen Ritus stimmiger erscheint. In diesem Fall passt Vollmond besondern gut, da der hell leuchtende Mond sehr gut das Licht symbolisiert. Da Imbolc auch als Reinigungsfest (altir. imb-folc „Rundum-Waschung") gilt, passt es auch gut mit dem drauffolgenden abnehmenden Mond zusammen.
Spannend in Bezug auf Reinigung ist auch unsere heute noch erhaltene, bald beginnende, Fastenzeit und die Namensherkunft des Februar aus dem lateinischen: februare „reinigen“. Was für ein Glück, dass die Natur uns in Kürze die passenden Wildkräuter wie Bärlauch, Scharbockskraut oder zarte Brennesselblätter für unsere innere Reinigung liefert.
 
Imbolc wird von der Göttin Brigid, "die Helle, Strahlende" (vgl. engl. bright) begleitet. Sie gilt als Göttin des Lichtes, der Fruchtbarkeit und der schönen Künste, symbolisiert Reinheit und den Neuanfang, zündet die Feuer. Sie „macht“ nicht nur die Tage wieder spürbar heller und schmilzt den Schnee, sondern begleitet auch die Natur und Tierwelt dabei wieder langsam zu erwachen, fruchtbar zu werden und ihre Schönheit zu entfalten. Sie weckt die schlafenden Samen in der Erde und bringt (Lebens)Säfte und unserer Inspiration förmlich zum fließen.
Wahrscheinlich nicht umsonst gilt die Birke als der Baum Brigids. Erinnert der Baum doch auch optisch an strahlendes Licht, an etwas Reines.
Bekannt ist auch heute noch (oder wieder) eine reinigende Frühjahrskur mit Birkensaft. In den nordischen (und teilweise auch slawischen) Ländern ist es auch heute noch Brauch sich in der Sauna mit Birkenzweigen zu schlagen um den Reinigungsprozess des Saunierens zu unterstützen..


Da wir Menschen an die Natur und ihre Kreisläufe gekoppelt sind, gilt es natürlich auch für uns jetzt die dunkle, winterliche Zeit förmlich abzustreifen, uns von Altem zu reinigen, wieder zu Kräften zu kommen, Freude und Lust wieder voll zu spüren und das Leben zu feiern.
 

W.D. Storl schreibt von wilden Festen und wahren Fruchtbarkeitsorgien, dem "Faseln", das bei den Kelten im Februar stattgefunden haben soll. 
Närrische Feste müssen das gewesen sein. Mit viele Lärm wurde die Erde geweckt und der Winter mit seiner Dunkelheit vertrieben. Man durfte aus dem Rahmen fallen, die Seiten wechseln, Masken tragen um dabei unerkannt zu bleiben. Das erinnert doch sehr an unseren heutigen Fasching.
Valentin am 14.02. deutet auch heute noch darauf hin, dass "Liebe machen" im Februar eine große Rolle gespielt haben wird, zumindest ist dies auch von den Römern überliefert (Lupercalien).
 
Immer wieder wurde über Jahrhunderte hinweg von Kirche und Herrschern versucht, den Menschen ihr Treiben auszutreiben oder zu beschränken. Auch heute merkt man noch, dass es regionale Unterschiede in der Durchsetzung gab. Vielerorts gibt es noch größere Umzüge, in Wien haben sich gediegenere Bälle daraus entwickelt und oft wird einfach gar nicht mehr gefeiert oder maximal am Faschingsdienstag ein lustiger Hut aufgesetzt.

Im Alpenraum hat sich um diese Zeit auch das "Blochziehen" als Frühjahrs- und Fruchtbarkeitsfest erhalten. Der "Bloch" ist ein Zirbenstamm, symbolisch für einen Pflug, der die Felder für die Aussaat aufbricht. Auch W.D. Storl erwähnt, dass in Irland zu dieser Zeit mit dem pflügen begonnen wurde, damit der Acker den Samen empfangen kann, und verweist auf den sexuellen Bezug.

Der Winter galt somit als besiegt,
die Felder konnten wieder bewirtschaftet werden und Nahrung liefern, darum gilt Anfang Februar auch als das "Bäuerliche Neujahr" wie man gut anhand dieser Bauernregel erkennen kann:
"An Lichtmeß fängt der Bauersmann - neu mit des Jahres Arbeit an."
Auch war es ein wichtiger Lostag um das Wetter der kommenden Wochen zu deuten:

"Ist's an Lichtmeß hell und rein, wird's ein langer Winter sein. Wenn es aber stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit"
Auch die Kelten haben Natur und Tiere genau beobachtet, zu Imbolc stand der Bär im Fokus, wenn er wieder in seine Höhle zurück gekrochen ist, hat der Winter noch gedauert. Dazu habe ich auch folgenden Bauernregel gefunden „Wenn der Bär auf Lichtmess seinen Schatten sieht, kriecht er wieder auf vierzig Tage in die Höhle“. Spätestens seit dem Film "Und täglich grüßt das Murmeltier" wissen wir, dass in Amerika am 02. Februar der Groundhog day gefeiert wird. Dabei wird das Tier aus seinem Bau gelockt, ist sein Schatten zu sehen, bleibt der Winter noch für weiter 6 Wochen. Der Brauch gilt als Mitbringsel deutscher Einwanderer.
 

Wenn es uns auch oft nicht bewusst ist, so kann man im Detail immer wieder erkennen, dass wir gar ich so abgeschnitten sind von unseren spirituellen europäischen Wurzeln. Um die" Überbleibsel" für sich selbst zu nutzen ist es wahrscheinlich am besten einfach zu erspüren, was man dabei persönlich empfindet und wahrnimmt und wie man die verschiedene Quellen für sich interpretiert.

Nachfolgend einige Anregungen, was man tun kann, um auf alten Pfaden zu wandeln und Imbolc in der heutigen Zeit zu feiern. Es kann ein Ritual sein, es kann aber auch sein, dass du über einige Tage hinweg einige der vorgeschlagenen Dinge tust. Nimm dir einfach raus was dir gefällt oder mach dein eigenes Ritual so wie du es für dich richtig empfindest. Deine Natur hat immer recht.

Wo kann ich Imbolc feiern?
Um einen passenden Ort zu finden, kann man jeden persönlichen Kraftort wählen.

Das kann im Wald sein, unter einem einzelnen Baum, besonders schön wäre hier natürlich eine Birke.
Auch ein Ort am Wasser, das symbolisch die Reinigung oder auch das Fließen unterstützt wäre passend.

Oder auch einfach bei dir daheim mit einem kleinen feierlichen Altar und Gegenständen die du passend findest.
Unsere Ahnen feierten ihre Festen bevor es Kirchen gab in Hainen, am Wasser, bei Felsen oder Bergen (Meist an den Stellen wo heute auch unsere Kirchen stehen. Besonders starke Kraftorte haben oft abschreckende Namen wie z.B. "Teufelsstein" verpasst bekommen)

Wie kann ich ein Ritual gestalten?

Folge deiner Intuition. Wenn du den passenden Ort gefunden hast kannst du in dich gehen und dir ein paar Fragen stellen, vielleicht helfen dir dabei auch meine folgenden Anregungen.

Ein Paar Fragen die du dir stellen kannst

  • Welchen Samen trage ich in mir, der wachsen möchte?
  • Was braucht es dafür?
  • Für einen Neubeginn: wer bin ich ohne meine Vergangenheit?
  • Was ist über den Winter in mir gestorben, was kann ich jetzt zurücklassen?
  • Wofür ist jetzt Platz?
  • Was kann ich aus der Dunkelheit ins Licht bringen?
  • Welche Visionen und Pläne habe ich für die kommenden Monate?


Ein paar Ideen für dein Ritual
  • Bitte Brigid zu dir.
  • Mach dir eine Tasse Birken- oder Brennesseltee, das hilft dir bei der Reinigung.
  • Eine Räucherung mit getrockneten Birkenblättern und Birkenholz reinigt Geist und Atmosphäre und fördert zudem die Kreativität.
  • Zünde eine Kerze oder- wenn du hast- den Kamin an
  • Mache eine Feuerzeremonie: verbrenne symbolisch Altes und schicke es ins Licht. Schreibe was du loswerden möchtest auf einen Zettel den du dann in einer feuerfesten Schale oder im Kamin verbrennst.
  • denk dir einen Zauberspruch aus
  • mache etwas Kreatives oder Handwerkliches, vielleicht etwas das du noch nie gemacht hast, mit Bridgis Hilfe gelingt es bestimmt! Traditionell werden in Irland zu Ehren Brigids Kreuze oder kleine Puppen aus Stroh gebastelt und über die Türe gehängt um Brigid willkommen zu heißen. Eine Anleitung findest du hier.
  • Musik machen, v.a. trommeln, laut sein.
  • Beobachte. Falls du in der Natur bist schaue einfach genau hin, was sich schon tut und spüren wie das Leben erwacht.
  • Höre Bridget´s Song

Du kannst dein Ritual abschließen in dem du

  • Gut durchlüftest und dabei möglichst viel alte Luft aufwirbelst  (falls du in einem Raum bist)
  • eine heiße Dusche oder ein Bad nimmst und dabei Altes symbolisch den Abfluss hinunter spülst.
  • Eine Sauna besuchst, das ähnelt den alten Schwitzhütten Ritualen und hilft "den Dreck loszuwerden". Vielleicht hast du sogar die Möglichkeit dabei eine Birkenrute zu verwenden.
  • dich bewegst und dabei spürst z.B. tanzen oder in der Natur spazieren gehen
Und vor allem gilt: folge deinem Herzen und sei gut zu dir!

Hinweis: Der 2. Vollmond nach der Wintersonnwende an dem Imbolc gefeiert wird fällt heuer auf den 31.01.

Tipp: Komm zum Imbolc Frauenkreis am 31.01. ab 18h!



So schön...die ersten Schneeglöckchen im Garten :)