Leben im Jahreskreis: Imbolc

Auch wenn es draussen noch winterlich ist, so spürt man doch schön langsam die Natur erwachen. Die Tage werden wieder merklich länger, die dunkle Zeit der letzten Monate scheint überwunden. Am Morgen höre ich bereits die ersten Vogelstimmen, die Eichhörnchen sind wieder unterwegs und auch der Specht im Ahornbaum vor meinem Fenster macht mit seinem Klopfen wieder auf sich aufmerksam. Auch der Sturm fegt bereits, wie immer um diese Jahreszeit, übers Land.

In wenigen Wochen ist auch tatsächlich schon Frühlingsbeginn, ein Sonnenfest das wir auch heute noch bewusst wahrnehmen.
In Vergessenheit geraten sind aber, bis auf Samhain (Halloween bzw. Allerseelen) und Ostern, aber unsere Mondfeste dazwischen.

Über das erste Mondfest im Jahr "Imbolc", das dieser Tage stattfinden, möchte ich heute ein bisschen erzählen.

Da es nur wenige sichere Informationen und keine exakten Überlieferungen darüber gibt, wie und wann genau die einzelnen Sonnen- und Mondfeste im vorchristlichen Europa gefeiert wurden, muss man sich verschiedener Quellen bedienen um zu erahnen, wie es sich zugetragen haben könnte.
Ich liebe es diese Puzzlesteine zusammen zufügen und meine Aha Momente zu erleben.
Manche Rituale haben sich im Brauchtum erhalten, Vieles wurde im Zuge der Christianisierung einfach von der Kirche "übernommen" und umgemodelt, im Fall von Imbolc zu "Maria Lichtmess".

Beginn des Vorfrühlings
Imbolc markiert den Beginn des Vorfrühlings, das Erwachen der Natur und die Zunahme des Lichtes.
Der genaue Zeitpunkt an dem Ibolc stattfindet, wird oft mit der Nacht zum 1. Februar sowie am Tag des ersten angegeben. Manchmal auch am 02. Februar (Lichtmess). Im Jahreskreis befinden wir uns genau zwischen der Wintersonnwende und der Frühlingstag und Nacht Gleiche und gegenüber vom "Totenfest" Samhain, das wir in der Nacht vom 31.10. auf den 01.11. feiern.
Da es sich um ein Mondfest handelt, ist davon auszugehen, dass das Fest ursprünglich nicht zu einem fixen Datum gefeiert wurde, sondern -ähnlich wie wir es auch heute noch mit dem Osterfest handhaben- beweglich war.

Der Anthropologe W.D. Storl schreibt in seinem Buch "Die Pflanzen der Kelten", dass die keltischen Mondfeste zu Vollmond stattfanden. In anderen Quellen wird auch immer wieder von anderen Mondphasen berichtet, je nachdem welche Symbolik zum jeweiligen Ritus stimmiger erscheint. In diesem Fall passt Vollmond aber besonders schön, da der hell leuchtende Mond sehr gut das Licht symbolisiert. Da Imbolc auch als Reinigungsfest (altir. imb-folc „Rundum-Waschung") gilt, passt es auch gut mit dem drauffolgenden abnehmenden Mond zusammen.
Du kannst daher Imbolc auch am zweiten Vollmond nach Jul/Weihnachten feiern, wenn es sich für dich stimmiger anfühlt.

Reinigungsfest
Der Reinigungs Ritus hat sich bis heute in unserer Kultur erhalten.
Zum einen finden wir sie in der Namensherkunft des Februar aus dem Lateinischen: februare „reinigen“

Bald beginnt auch unsere noch immer gelebte Fastenzeit, früher auch notwendiges Übel, da ganz einfach die Lebensmittelvorräte zu Ende gingen. Die Enthaltsamkeit stand aber auch als symbolische Demut vor der kommenden Fülle. Wer hungrig ist, dem schmeckt das Essen bekanntlich auch besonders gut.
Heute verbinden wir mit der Fastenzeit selten noch Enthaltsamkeit sondern wir sehen sie eher als mehr oder weniger willkommene "Detox" Kur nach dem Winter, in dem wir meist träge sind und gerne auch "junkiger" leben.
Was für ein Glück, dass uns Mutter Natur in Kürze dafür auch die passenden Wildkräuter wie Bärlauch, Scharbockskraut oder zarte Brennesselblätter liefert. Sie schaut einfach immer auf uns, weiß sie doch, dass wir uns nach dem Winter wieder stärken müssen und unseren "Wintermüll" loswerden möchten.

Oft haben wir auch das Bedürfnis einen Frühjahrsputz zu machen, die wiederkehrende Sonne bringt unbarmherzig jeden Dreck zum Vorschein. Auch unsere Häuser und Wohnungen auszumisten und Platz für Neues zu schaffen scheint uns gerade ein natürliches Bedürfnis zu sein, die Couchtage sind gezählt, die Hummeln im Arsch warten schon auf ihren Einsatz!
 
Vegetationsgöttin Brigid
Imbolc wird von der jungfräulichen Vegetationsgöttin Brigid, "die Helle, Strahlende" (vgl. engl. bright) begleitet. Sie gilt als Göttin des Lichtes und der schönen Künste, sie symbolisiert Reinheit und den Neuanfang, sie zündet die Feuer. 
Brigid „macht“ nicht nur die Tage wieder spürbar heller, ihr Licht bringt auch den Schnee zum Schmelzen (ein alter Name für den Februar lautet übrigens "Schmelzmond"), sie verbindet damit die Elemente Feuer und Wasser und die eingefrorene Welt erwacht zu neuem Leben.

Wer aufmerksam ist merkt, dass es im Februar meist sehr windig ist. Brigit braust dahin und rüttelt die Natur wach, dabei reitet sie am Hirschgott Cernunnos oder wird vom Bär begleitet. Alles was nicht fest verankert ist und nicht mehr gebraucht wird, wird jetzt weggefegt um Platz für Neues zu schaffen.
Denn in Kürze beginnt die Pflanzen- und Tierwelt wieder langsam zu erwachen, fruchtbar zu werden und ihre Schönheit zu entfalten. Brigid weckt die schlafenden Samen in der Erde und bringt (Lebens)Säfte wieder förmlich zum Fließen. Auch uns Menschen weckt sie dabei schön langsam aus der Winterruhe.

Mit Brigid untrennbar verbunden ist zum einen das Schneeglöckchen, das auch Brigids Farben weiß und grün symbolisiert, aber auch die Birke als Licht- und Pionierbaum. Bekannt ist auch heute noch (oder wieder) eine reinigende Frühjahrskur mit Birkensaft. In den nordischen (und teilweise auch slawischen) Ländern ist es noch immer Brauch sich in der Sauna mit Birkenzweigen zu schlagen um die Durchblutung zu fördern und um so die Vitalität und Fruchtbarkeit der Pflanze auf sich zu übertragen.


Da wir Menschen an die Natur und ihre Kreisläufe gekoppelt sind, gilt es natürlich auch für uns jetzt die dunkle, winterliche Zeit förmlich abzustreifen, uns von Altem zu reinigen, wieder zu Kräften zu kommen, Freude und Lust wieder voll zu spüren und das Leben zu feiern.
Für uns heute nicht mehr wirklich vorstellbar, aber unsere AhnInnen muss es eine große Erleichterung gewesen sein, nach den harten und kalten Monaten zu spüren, dass wieder neues Leben und die Fruchtbarkeit erwacht und die Natur schon bald wieder ausreichend Nahrung bietet.
Die Menschen selbst sind wahrscheinlich im Winter auf Sparflamme unterwegs gewesen um nicht unnötig Energie zu verbrauchen, daran erinnert noch heute der "Katreinstanz" Ende November, der nach dem Motto "St. Katrein stells tanzen ein" das Ende der Tanzsaison einläutet. Wie "narrisch" haben sich unsere AhnInnen wahrscheinlich gefreut wenn es wieder heller und wärmer wurde und auch in ihnen die Lebenskraft wieder zurück kam. Haben sie es der Natur gleich getan und wilde Feste mit Tanz und Sex gefeiert?


Fruchtbarkeitsorgien
W.D. Storl schreibt von wilden Festen und wahren Fruchtbarkeitsorgien, dem "Faseln", das bei den Kelten im Februar stattgefunden haben soll. Närrische Feste müssen das gewesen sein. Mit viele Lärm wurde die Erde geweckt und der Winter mit seiner Dunkelheit vertrieben. Man durfte aus dem Rahmen fallen, die Seiten wechseln, Masken tragen um dabei unerkannt zu bleiben. Das erinnert doch sehr an unseren heutigen Fasching.
Valentin am 14.02. deutet auch heute noch darauf hin, dass "Liebe machen" im Februar eine große Rolle gespielt haben wird, zumindest ist dies auch von den Römern überliefert (Lupercalien).
 
Immer wieder wurde über Jahrhunderte hinweg von Kirche und Herrschern versucht, den Menschen ihr Treiben auszutreiben oder zu beschränken. Auch heute merkt man noch, dass es regionale Unterschiede in der Durchsetzung gab. Vielerorts gibt es noch Faschingsbräuche oder größere Umzüge, in Wien haben sich gediegeneren Bälle daraus entwickelt.

Oft wird aber einfach gar nicht mehr gefeiert oder maximal am Faschingsdienstag ein lustiger Hut aufgesetzt, kaum jemand kennt auch die frühere Bedeutung oder den Sinn dahinter.

Im Alpenraum hat sich um diese Zeit auch das "Blochziehen" als Frühjahrs- und Fruchtbarkeitsfest erhalten. Der "Bloch" ist ein Zirbenstamm, symbolisch für einen Pflug, der die Felder für die Aussaat aufbricht. Auch W.D. Storl erwähnt, dass in Irland zu dieser Zeit mit dem Pflügen begonnen wurde, damit der Acker den Samen empfangen kann, und verweist auf den sexuellen Bezug.

Der Winter galt somit als besiegt,
die Felder konnten wieder bewirtschaftet werden und Nahrung liefern, darum gilt Anfang Februar auch als das "Bäuerliche Neujahr" wie man gut anhand dieser Bauernregel erkennen kann:
"An Lichtmeß fängt der Bauersmann - neu mit des Jahres Arbeit an."


Und täglich grüßt das Murmeltier
Auch war es ein wichtiger Lostag um das Wetter der kommenden Wochen zu deuten:
"Ist's an Lichtmeß hell und rein, wird's ein langer Winter sein. Wenn es aber stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit"
Die Kelten haben Natur und Tiere genau beobachtet, zu Imbolc stand der Bär im Fokus:

„Wenn der Bär auf Lichtmess seinen Schatten sieht, kriecht er wieder auf vierzig Tage in die Höhle“ Man sagt, der Winter geht nicht ohne nochmal kurz zurück zu schauen. Zu gutes Wetter im Februar bedeutet oft sogar noch Schnee zu Ostern.

Spätestens seit dem Film "Und täglich grüßt das Murmeltier" wissen wir, dass in Amerika am 02. Februar der Groundhog day gefeiert wird. Dabei wird das Tier aus seinem Bau gelockt, ist sein Schatten zu sehen, bleibt der Winter noch für weiter 6 Wochen.
Der Brauch gilt als Mitbringsel deutscher Einwanderer und da man vor Ort keine Bären ausfindig machen konnte, hat man die Rolle einfach dem Murmeltier übertragen.
 

Wenn es uns auch oft nicht bewusst ist, so kann man immer wieder erkennen, dass wir gar nicht so abgeschnitten sind von unseren spirituellen europäischen Wurzeln. Um die" Überbleibsel" für sich selbst zu nutzen, ist es am besten einfach zu erspüren, was man dabei persönlich empfindet und wahr nimmt und wie man die verschiedene Informationen für sich interpretiert.

Nachfolgend einige Anregungen, was man tun kann, um auf alten Pfaden zu wandeln und Imbolc in der heutigen Zeit zu feiern. 

Du kannst ein Ritual machen, es kann aber auch sein, dass du über einige Tage hinweg einige der vorgeschlagenen Dinge tust. Nimm dir einfach raus was dir gefällt oder mach dein eigenes Ritual so wie du es für dich richtig empfindest. Deine Natur hat immer recht.


Wo kann ich Imbolc feiern?
Um einen passenden Ort zu finden, kann man jeden persönlichen Kraftort wählen. Das kann im Wald sein, unter einem einzelnen Baum, besonders schön wäre hier natürlich eine Birke aufzusuchen oder vielleicht sogar einen Birkenwald zu finden.
Auch ein Ort am Wasser, das symbolisch für die Reinigung steht wäre passend, idealerweise findet man vielleicht auch einen schönen Platz an einem Fluß.

Du kannst aber auch bei dir zu Hause feiern, vielleicht einen kleinen feierlichen Altar mit Gegenständen die du passend findest errichten oder dich auch in die Badewanne legen.

Unsere Ahnen feierten ihre Festen bevor es Kirchen gab in Hainen, am Wasser, bei Felsen oder Bergen die sie auch als Tor zur Anderswelt betrachteten. Oft befanden sich diese Orte an Stellen wo heute auch unsere Kirchen stehen. Besonders starke Kraftorte haben aber oft auch abschreckende Namen wie z.B. "Teufelsstein" verpasst bekommen um die Heiden davon fernzuhalten.

Wie kann ich ein Imbolc Ritual gestalten?

Folge deiner Intuition. Wenn du den passenden Ort gefunden hast kannst du in dich gehen und dir ein paar Fragen stellen, vielleicht helfen dir dabei auch folgende Anregungen.

 
Ein Paar Fragen die du dir stellen kannst
  • Welchen Samen trage ich in mir, der wachsen möchte?
  • Was braucht es dafür?
  • Für einen Neubeginn: wer bin ich ohne meine Vergangenheit?
  • Was ist über den Winter in mir gestorben, was kann ich jetzt zurücklassen?
  • Wofür ist jetzt Platz?
  • Was kann ich aus der Dunkelheit ins Licht bringen?
  • Welche Visionen und Pläne habe ich für die kommenden Monate?

Ein paar Ideen für dein Ritual oder die Tage um Imbolc
  • Bitte Brigid zu dir
  • Mach dir eine Tasse Birken- oder Brennesseltee, das hilft dir bei der inneren Reinigung
  • Eine Räucherung mit getrockneten Birkenblättern und Birkenholz reinigt Geist und Atmosphäre und fördert deine Kreativität
  • Zünde eine Kerze oder- wenn du hast- den Kamin an
  • Mache eine Feuerzeremonie: verbrenne symbolisch Altes und schicke es ins Licht. Schreibe was du loswerden möchtest auf einen Zettel den du dann in einer feuerfesten Schale oder im Kamin verbrennst. Man kann im Imbolc Feuer (oder auch beim nächsten Vollmond) auch allerletzte Weihnachtsreste wie Tannenzweige oder Mistelbuschen verbrennen.
  • mache etwas Kreatives oder Handwerkliches, vielleicht etwas das du noch nie gemacht hast, mit Bridgis Hilfe gelingt es bestimmt! Traditionell werden in Irland zu Ehren Brigids Kreuze oder kleine Puppen aus Stroh gebastelt und über die Türe gehängt um Brigid willkommen zu heißen. Eine Anleitung findest du hier.
  • höre Musik z.B. Bridget´s Song 
  • mache selber Musik, trommle, tanze, juchze, sei laut
  • Beobachte. Falls du in der Natur bist schaue einfach genau hin, was sich schon tut und spüren wie das Leben, auch in dir, erwacht
  • genieße deine Leidenschaft
  • miste dein Zuhause aus, schaffe Platz
  • nimm eine heiße Dusche oder ein Bad, spüle dabei Altes symbolisch den Abfluss hinunter
  • besuche eine Sauna, das ähnelt den alten Schwitzhütten Ritualen und hilft "den Dreck loszuwerden", vielleicht hast du sogar die Möglichkeit dabei eine Birkenrute zu verwenden
  • Folge deinem Herzen und sei einfach gut zu dir!

Hinweis: Der 2. Vollmond nach der Wintersonnwende an dem Imbolc gefeiert wird fällt heuer auf den 09.02.2020



Kommentare