Montag, 22. Dezember 2014

Die Rauhnächte

Vor ein paar Jahren habe ich begonnen die Zeit um Weihnachten und Silvester "anders" und gleichzeitig viel intensiver wahrzunehmen als zuvor, auch wenn mir zu Beginn gar nicht bewusst war, dass diese Tage Rauhnächte genannt werden und was es überhaupt damit auf sich hat. Aber ich spürte, dass ich mich in diesen Tagen vermehrt auf mich konzentrierte, das Bedürfniss hatte besonders viel in der Natur zu sein, zu meditieren und zu räuchern.
Umso überraschter war ich, als ich über das Räuchern beim Thema Rauhnächte gelandet bin und festgestellt habe, dass unsere Ahnen diese Zeit auf ganz ähnliche Weise verbracht haben.

Was genau sind die Rauhnächte überhaupt?
Das was davon übrig ist, feiern wir im deutschsprachigen Raum heute noch als Heilige Nacht und Silvesternacht, seltener werden auch noch die Wintersonnwende oder der Dreikönigstag gefeiert.
Besonders zu Silvester, werden rund um den Globus noch viele alte Bräuche zelebriert die an den ursprünglichen Charakter der Rauhnächte erinnern: Orakeln (z.B. Bleigießen), das Böse mit Lärm vertreiben, gute Vorsätze fassen,…
Im alpinen Raum gibt es noch die Perchtenläufe (um Geister zu vertreiben) und an bestimmten Tagen werden Hof und Stall auch heute noch mit Weihrauch geräuchert.
Die Zeit um Weihnachten ist heute leider meist von Hektik erfüllt und kaum einer ist sich der eigentlichen Bedeutung (lange vor der Christianisierung) noch bewusst. Für unsere Vorfahren war diese Zeit eher ein Fest der Stille und des Rückzuges das man im Kreise seiner Liebsten verbrachte. 

Ursprung
Vor unserem Sonnenkalender benutzten die Menschen den Mondkalender, da man seine Zyklen besser verfolgen konnte. Ein Mondmonat dauert insgesamt 354 Tage. Da ein Sonnenjahr jedoch 365 Tage hat, fehlten am Ende 11 Tage die sich als Differenz zwischen Mond- und Sonnenkalender ergeben. Um diese Lücke auszufüllen vereinbarte man „Auszeiten“ wie z.B. die Rauhnächte. (Nach keltischem Glauben befinden wir uns im Herbst und im Winter in der so genannten Jahresnacht, daher sprechen wir nicht von 11 Tagen, sondern von 12 Nächten.)
Für unsere Vorfahren, waren die Rauhnächte somit eine Zeit außerhalb der Zeit also „zwischen den Jahren“ die weder zum alten noch zum neuen Jahr gehörte. In dieser Zeit ist nichts wie sonst, die Gesetze der Natur treten außer Kraft, die Tore zur Anderswelt fallen, mystische Dinge sind möglich, Orakel und Weissagungen sind in dieser Zeit begünstigt.

Die Zeit außerhalb der Zeit war seit jeher vor allem zum Beobachten da, damit man sich ein Bild vom nächsten Jahr machen konnte. Die Menschen waren sehr aufmerksam und vermieden achtsam jeglichen Fehltritt, der das nächste Jahr negativ beeinflussen konnte. Man war sehr darauf bedacht alles richtig zu machen, die Geister und Götter milde zu stimmen und in vielen Ritualen, mit Räucherungen, Zeremonien und Gebeten das Böse zu vertreiben und das Gute zu sich zu bitten. In dieser Zeit wurde auch nur das Notwendigste gearbeitet, geruht und in der Familie gelebt. Beisammen sein und gemeinsam feiern war wichtig, so wir wie wir es heute noch zu Weihnachten tun.


Wie können wir die Rauhnächte verbringen? 
Gegen Ende Dezember liegen Kälte, Schnee und Eis über dem Land und die Zeit scheint fast still zu stehen. Die Natur hat sich vollständig zurückgezogen und ruht sich aus, viele Tiere halten ihren Winterschlaf. Diese Zeit ist daher auch für uns Menschen ideal zum Ruhen, uns in unser Inneres zurückzuziehen und mit unseren Herzen in Kontakt zu treten.
Zur Wintersonnwende (21.12.) wird die Luft allmählich klarer, die Tage werden wieder länger, wir feiern die Wiedergeburt des Lichts und somit den Beginn der Rauhnächte. 

Wie unsere Ahnen können wir in dieser Zeit genau beobachten: wie wir uns gerade fühlen, wie unsere zwischenmenschlichen Beziehungen sind, wie der Gesundheitszustand ist, ob wir unternehmungslustig, aktiv oder träge an bestimmten Tagen sind, welche Begegnungen wir hatten etc. 

Da den Träumen in den Rauhnächten ein prophetischer Charakter nachgesagt sollten wir auch diese ganz genau beobachten und versuchen uns an sie zu erinnern und am Besten gleich nach dem Aufwachen notieren. Überhaupt empfielt es sich ein Rauhnachtstagebuch zu führen um Gedanken und Erlebnisse festzuhalten um sich vieler Dinge bewusst zu werden und die Weichen für das neue Jahr zu stellen oder später auch rückblickend nachzulesen.

Die Zeit um die Wintersonnwende eignet sich besonders gut um Altes loslassen und Neues willkommen heißen. Man kann diese Zeit nutzen um nochmal das zu Ende gehenden Jahr Revue passieren zu lassen, Belastendes und Vergangenes loszulassen, nochmals Ordnung zu schaffen, sei es in materieller oder auch zwischenmenschlicher Hinsicht. Neues oder Dinge die man in sein Leben ziehen möchte gewinnen durch das Loslassen mehr Platz und können in diesen Tagen besonders gut manifestiert werden. 
Für all die guten und schönen Dinge kann man sich im Geiste bedanken oder auch direkt seinen Dank bei Menschen aussprechen (daher kommt auch der Brauch des Beschenkens (=Bedanken) zu Weihnachten)

Die Dinge und Aktivitäten die einem gut tun, und für die oft unterm Jahr zu wenig Zeit bleibt, sollten jetzt Platz finden um die Batterien für das neue Jahr aufzuladen.
Man sollte viel Zeit in der Natur verbringen da man sich in den Rauhnächten ganz besonders gut mit ihr verbinden und dadurch erden kann.
Auch für die kreative Seite in Form von z.B. musizieren oder handarbeiten sollte Platz sein, weil es einfach unserer Seele gut tut und hilft uns mit unserem Inneren besser zu verbinden und unser Stirnchakra (3. Auge) zu öffnen.

Wer mag kann natürlich auch meditieren oder Orkalen und z.B. Karten legen, oder Runen befragen. Die Zeit eignet sich auch ganz besonders gut um Rituale zu vollziehen, man merkt sofort wie es in diesen Tagen einfach besser geht als unterm Jahr.

Jede der Rauhnächte steht  auch für ein Thema und einen Monat des Jahres zum Deuten und Orakeln. Somit steht die erste Rauhnacht für den Januar, die zweite für den Februar etc. 

21.12. Rauhnacht für Januar: Altes abschließen,  Grundlage schaffen

22.12. Rauhnacht für Februar: Still werden, auf die innere Stimme hören
23.12. Rauhnacht für März: Sich und sein Herz öffnen, Wunder zulassen
24.12. Rauhnacht für April: Seiner inneren Weisheit vertrauen
25.12. Rauhnacht für Mai: den Körper umsorgen
26.12. Rauhnacht für Juni: positive und negative Gefühle umarmen
27.12. Rauhnacht für Juli: Herzensziele entdecken, Vorbereitung auf Kommendes
28.12. Rauhnacht für August: eine Entscheidung treffen
29.12. Rauhnacht für September: Verzeihen, Versöhnen
30.12. Rauhnacht für Oktober: Achtsam werden
31.12. Rauhnacht für November: Dankbar sein, Loslassen
01.01. Rauhnacht für Dezember: Reinigung, Transformation

Für den Beginn der 12 Rauhnächte gibt es übrigens verschiedene Versionen:
für unsere frühen Vorfahren, die kein Weihnachtsfest kannten, war der 21. Dezember, Tag der Wintersonnenwende, der Beginn der 12 Rauhnächte. Durch die Anpassung an das katholische Weihnachtsfest, starten die 12 Raunächte nun meist am Heiligen Abend, also in der Nacht vom 24. auf 25. Dezember. Man kann dies handhaben wie man möchte und für sich richtig empfindet, da man nichts falsch machen kann.
Um all diese Aktivitäten und Prozesse zu unterstützen sollte begleitend auch geräuchert werden. Traditionell räuchert man zur Wintersonnenwende (21.12.), am 28. Dezember, zu Silvester und am 5. Jänner. Es spricht allerdings nichts dagegen in jeder Rauhnacht zu räuchern, so wie es sich stimmig anfühlt ist es richtig.

Am Dreikönigstag endet die Zeit außerhalb der Zeit, die Tore zur Anderswelt schließen sich wieder und wir können gestärkt ins neue Jahr starten. Als Abschlussritual kann man an diesem Tag die Ereignisse und Aufzeichnungen der letzten 12 Nächte durchgehen: was ist mir wichtig, was möchte ich da lassen, was mitnehmen, was hat mich am meisten beschäftigt? Welches wiederkehrende Motto, Thema zeichnet sich ab?
Am Schluss kann man sich für die Hinweise bedanken und das neue Jahr freundlich willkommen heißen. Wir sollten an diesem Tag unser Zuhause nochmal gut ausräuchern, damit das neue Jahr einen guten Start hinlegen kann und alle alten Energien fort sind. (Traditionell wird an diesem Tag auch die Weihnachtsdeko abgeräumt)

Zum Thema Räuchern stelle ich morgen noch ein kleines Special mit einem Tutorial für ein DIY Räucherbündel online. Prinzipiell kann man sich zwar auch da intuitiv leiten lassen aber es gibt dennoch spezielle Pflanzen und Räuchermethoden die sich besonders gut für die Rauhnächte eignen.