Donnerstag, 4. Oktober 2018

Begegnung mit einem faszinierenden Waldwesen 💛🖤

 Dieser hübsche Feuersalamander ist uns gestern im Wald über den Weg gelaufen🦎 
Er ist ein faszinierendes Tier und wurde seit jeher als Grenzgänger gesehen. Als Wesen das sich nach "unten" in die Erde zurück zieht, aber auch, vorwiegend bei feuchtem Wetter oder in der Nacht, "oben" erscheint. Als Wesen das an Land lebt aber im Wasser 💦 geboren wird. Seine auffällige Zeichnung wirkt anziehend und scheint Gegensätze zu vereinen 💛🖤Den Namen "Feuersalamander" bekam er, weil man ihm nachsagt, er könne unbeschadet durchs Feuer 🔥 gehen. In der Volksheilkunde ließ man ihn über z.B. Hosenträger, Strumpfbänder oder Halstücher erkrankter Personen kriechen damit er die Krankheit mit in die Erde nimmt und dort transformiert. 💫Heute sieht man ihn als Krafttier an, der Gegensätzliches in uns vereint oder Verborgenes aus der Tiefe holt. Feuersalamander wurden übrigens schon im alten Rom als Zaubermittel ✨ per Senatsbeschluss verboten und im späten Mittelalter dämonisiert, bis heute ist er manchen von uns unheimlich und als "giftig" verschrien.

Dienstag, 2. Oktober 2018

Warum ich bittschön gern ein Patent auf Kastanien hätt!

Im September habe ich den Lehrgang "Natur- und Landschaftsvermittlung" in der Steiermark abgeschlossen.
Für den Abschluss sollten wir unter anderem eine Präsentation, die Naturvermittlung mit allem drum und dran beinhalten sollte, vor Ort mit einer Gruppe, die aus meinen lieben Kollegen bestand, durchführen.
Ich wollte bei dieser Präsentation meinen Standort Wien und mein Standbein Grüne Kosmetik einfließen lassen und jene Methoden anwenden, die mir in der Ausbildung am besten gefallen haben: der spielerische Zugang und theaterpädagogische Elemente!

Nach einigen Überlegungen hatte ich dann mein Konzept: ich schlüpfte in die Rolle des Wiener Wäschermädels "Mitzi Gstettner" aus Ottakring. Als Mitzi habe ich dann meine Kollegen und die reale Prüfungskommission als gespielte Prüfungskommission eines Patentamtes in meiner "Waschküche" begrüßt.

Mitzi Gstettner in ihrer Waschkuchl

Mitzi möchte nämlich ein Patent anmelden, denn sie hat bei einem Ausflug mit ihrem Gspusi, dem Hr. Professor, im Wiener Prater beim Spritzer trinken eine bahnbrechende Entdeckung gemacht:
im Herbst, wenns regnet beginnt die Prater Hauptallee zu schäumen und es schaut dann fast so aus wie bei ihr in der Waschkuchl!
Folgedessen muss doch irgendwo auf der Strasse Seife versteckt sein!
Zum Glück kann Mitzi ihren g´scheiten Hr. Professor fragen, was es damit auf sich hat.

Dann begann das Spektakel bei dem meine Kollegen als Bäume, Fiaker, Pferde und Regentropfen in die Präsentation eingebunden wurden und am Ende hat sich herausgestellt, dass hinter all dem Spuk der im Wiener Stadtbild so präsente Kastanienbaum steckt und Mitzi sich "...jetzt bittschön die Kastanien als Waschpulver patentieren lassen möcht. Weil wir Wiener Wäscheweiber wissen wie Wäsche wirklich weiß wird!"


Aus dem Stadbild Wiens nicht wegzudenken: der narrische Kastanienbaum


Warum schäumen denn die Strassen im Herbst so?

Vielleicht hast du dich, wie Mitzi Gstettner, auch schon einmal gefragt, warum in den Kastanienalleen Wiens und auch anderswo in Mitteleuropa, bei Regen plötzlich die Strassen zu schäumen beginnen?

"Schuld" daran sind die den Kastanien enthaltenen Saponine (lat. sapo= Seife) das sind wasserlösliche, seifenähnliche Stoffe.
Diese sind Bestandteil von über 90 Pflanzenfamilien und in geringen Mengen z.B. in Hülsenfrüchten enthalten (darum schäumt das Kochwasser) oder mit bis zu 15% in den Samen der Seifenbaumgewächse vertreten. 
Zur Familie der Seifenbaumgewächse zählt der Kastanienbaum, aber auch der Waschnussbaum dessen Samen als "indische Waschnuss" hierzulande, guter Vermarktung sei Dank, als Waschmittel bekannter sind als unsere heimischen Kastanien.

Was nun im Herbst in den Kastanienalleen passiert ist folgendes:
die Rosskastanien fallen auf die Strasse, Autos fahren darüber und zermalmen dabei mit ihren Reifen die Kastanien.
Wenn es nun regnet fungiert das Regenwasser kombiniert mit der Bewegung der Autoreifen wie eine Waschmaschine:
die enthaltenen Saponine lösen sich und bilden, wie Seife auch, Schaum.


Spannender Versuch für große und kleine Kinder: eine geschnittene Kastanie
in ein Schraubglas geben und mit Wasser zu 2/3 auffüllen 
und dann kräftig schütteln, sofort bildet sich Schaum.




Diese Saponine, die in den Kastanien bis zu 10% enthalten sind, können wir zur Reinigung z.B. von Wäsche verwenden.

Warum funktioniert das?
Auch natürliche Tenside können, wie Tenside in konventionellen Waschpulvern, die Oberflächenspannung des Wassers verändern, dadurch kann das Wasser tiefer in Textil Fasern eindringen und dort reinigen.
Viel Schaum und Waschpulvergeruch braucht es eigentlich nur im Kopf!

Der durchschnittliche Bedarf von 8kg konventionellem Waschpulver pro Haushalt, kann durch 2kg frische Kastanien ersetzt werden. Es gibt in Wien ca. 22.000 Kastanienbäume, die je nach Größe und Alter des Baumes durchschnittlich 35kg Kastanien abwerfen, somit könnten viele Wiener von der Waschkraft der Kastanie profitieren, dabei Geld sparen und sich und der Umwelt Gutes tun!

 
Die Vorteile von "Mitzis Wasch Kastanien"
  • kostenlos
  • regional 
  • natürlich nachwachsender, biologischer Rohstoff 
  • ökologisch und nachhaltig für Fauna, Flora & Gewässer
  • universell als Waschmittel, Putzmittel und auch zur Reingung von Haut und Haar einsetzbar
  • sanft und hypoallergen, keine Chemierückstände in der Wäsche
  • vegan und tierversuchsfrei

Die Wascheigenschaft der Rosskastanie wurde übrigens schon im 18. Jhd. von dem Naturwissenschaftler und Arzt Johann Georg Krünitz dokumentiert und auch wenn man hierzulande die Wurzel des Seifenkrauts, die ebenfalls Saponine enthält, zu nutzen wusste, hat man die Kastanien, aus welchem Grund auch immer, zum Waschen nicht genutzt.

Sehr wohl aber für andere Zwecke wie z.B. als Tierfutter (teilweise heute noch üblich) zum Färben, Gerben oder um mit dem aus der Kastanie gewonnenem Öl herkömmliche Seife herzustellen. Auch in der Volksheilkunde wurde der "Gichtbaum" bei entzündlichen Beschwerden eingesetzt, noch heute wird die Kraft des Kastanienbaums in Venencremes genutzt.

Der Kastanienbaum war auch als kühlender Schattenspender in Biergärten geschätzt, man sagt ihm nach, dass er der "Baum der Geselligkeit" ist und stimmungsaufhellend auf uns wirkt. Auch als Bachblüte ist die Kastanie mehrmals als  "white chestnut",
"red chestnut" und "chestnut bud" vertreten und soll uns bei Unruhe, Grübelei, Sorgen und Lernschleifen helfen.
Vor noch gar nicht so langer Zeit hat man sich Kastanien übrigens unters Bett gelegt, damit diese dort Störstrahlen ablenken.

Die Rosskastanie als Waschmittel zu verwenden ist daher eine moderne Nutzung.
Die Herstellung des DIY Waschmittels ist kinderleicht und kann, neben Kastanienmännchen und Kastanienketten basteln, eine wunderbare Freizeitgestaltung für die ganze Familie sein.



Und so wirds gemacht
  1. Rechne dir zuerst aus, wie hoch dein Waschmittelverbrauch ist. Durchschnittlich liegt dieser bei 8kg pro Person, diese Menge kann durch 1kg getrocknete Kastanien ersetzt werden, das entspricht der Menge von 2kg frischen Kastanien. 
  2. Kastanien an einem trockenen Tag sammeln  
  3. die gesammelten Kastanien mit heißem Wasser abwaschen 
  4. Kastanien mit einem Geschirrtuch gut abtrocknen 
  5. im Anschluss die Kastanien vorsichtig grob vorschneiden, das geht umso leichter, je frischer sie sind, die Kastanien müssen vorher übrigens nicht geschält werden. Ältere, harte Kastanien kann man am besten mit einem Hammer zerschlagen. 
  6. die Kastenienstücke mit einem geeigneten Küchengerät so klein wie möglich mahlen, ich verwende dafür eine Handreibe. Achtung bei elektrischen Küchengeräten, diese können schnell überhitzen! 
  7. Kastanienstückchen großzügig auf Backpapier oder Küchenrolle auflegen und an einem warmen Ort oder in der Sonne einige Tage gut durchtrocknen lassen damit nix schimmelt.
  8. Wer dabei auf Nummer sicher gehen will kann die Kastanien auch großzügig auf einem Backblech verteilen und im Backrohr bei 40-50 Grad mehrere Stunden trocknen, dabei die Backofentüre einen Spalt offen lassen, damit die Feuchtigkeit entweichen kann. Auch ein Dörrgerät bietet sich dafür an, habe ich aber selbst noch nicht probiert. 
  9. die getrockneten Kastanienstückchen eventuell nochmals zerkleinern, sie lassen sich jetzt mit elektrischen Küchengeräten leicht pulverisieren. Je kleiner die Stückchen sind, umso besser lösen sich die Saponine später im Wasser.
  10. in eine gut verschließbare Dose abfüllen, da aufgrund der Stärke Mottenbefall sonst nicht ausgeschlossen ist.
  11. Ich gebe bei diesem Schritte auch großzügig ätherisches Öl (kein bestimmtes, nimm einfach eines das du magst)  auf die Kastanienstückchen und schüttel die Dose gut durch. Der Geruch überträgt sich später beim Waschen direkt auf die Kleidung!
  12. Die Kastanienstückchen sind bei trockener Lagerung auf jeden Fall das ganze Jahr über bis zum nächsten Herbst haltbar.
Kastanien können frisch oder getrocknet, als Stückchen oder Pulver wie Waschmittel verwendet werden.
Ich bevorzuge die getrockneten Stückchen, da sich diese nach Gebrauch wieder trocknen und bis zu 5x wieder verwenden lassen.


Anwendung
  1. Für Wäsche, die nur getragen oder wenig benutzt wurde und keine Flecken hat, verwende ich eine Hand voll Kastanienstückchen (ca. 15g)
  2. Flecken die vorbehandelt werden müssen, bitte auch weiterhin wie gewohnt vorbehandeln
  3. Ich fülle die Kastanienstückchen in einen Socken den ich gut verknote und direkt in die Waschtrommel lege
  4. Gewaschen wird meist zwischen 30- 60 Grad (Saponine lösen sich, wie bei Regen, auch schon in kaltem Wasser!)
  5. nach dem Waschgang nehme ich die Kastanienstückchen aus dem Socken heraus und lasse sie auf einem Stück Küchenrolle (in der Sonne) trocknen um sie wieder zu verwenden. Dieser Vorgang lässt sich bis zu 5x wiederholen.
  6. für Wäscheduft träufel ich einige Tropfen ätherisches Öl direkt auf die Kastanienstückchen, diese geben dann beim Waschen den Geruch ab.
Probier am besten einfach selbst aus, wieviele Kastanien du für deine Wäsche benötigst, denn je nach Verschmutzung, Wascheistung deiner Waschmaschine, Temperatur und Wasserqualität kann das Waschergebnis unterschiedlich ausfallen!



Die Menge die ich zum Wäsche waschen verwende.


Was Mitzi sonst noch in den Kastanien für ihre Wäsche entdeckt hat
  • Aesculin lässt vor allem helle Wäsche strahlen
  • Gerbstoffe wirken wie ein Farbfixierer und sind außerdem leicht desinfizierend
  • Stärke gilt als schmutzabweisend und wirkt ähnlich wie "Bügelstärke"
  • Öle erhalten die Fasern geschmeidig
  • Enzyme wirken wie ein Waschkraftverstärker
  • Säure macht die Wäsche weich und entfernt schlechte Gerüche


Flüssigwaschmittel 

Aus Kastanien kann auch ein Flüssigwaschmittel hergestellt werden.
  1. Dafür nimm in etwa 1/2 Hand voll Kastanienstückchen und fülle diese in ein gut verschließbares Gefäß  (z.B. Schraubglas)
  2. gieße das ganze zu 2/3 mit Wasser auf
  3. Glas zuschrauben und fest schütteln um die Saponine zu lösen
  4. alternativ kannst du das Glas auch einen Tag stehen lassen, die Saponine lösen sich dann von alleine
  5. die Mischung durch ein feines Sieb abseihen
  6. Flüssigkeit direkt ins Waschmittelfach deiner Waschmaschine gießen und Waschprogramm wie gewohnt starten
  7. du kannst diese Flüssigkeit auch als Allzweckreiniger verwenden die du am besten in ein Sprühfläschchen abfüllst und die zu reinigenden Stellen damit einsprühst.
Dieses Waschmittel sollte immer unmittelbar verwendet werden, da es nach 3 Tagen zu gären anfängt.
Es gibt auch die Möglichkeit der Haltbarmachung mit Essig oder Natron, diese habe ich aber selbst noch nicht probiert.



Reinigungsgel/ Duschgel

Die zuvor beschriebene Methode lässt sich auch zu einem Gel abwandeln.
Das Gel eignet sich nicht nur als Haushaltsreiniger, sondern ich verwende es auch gern zum Waschen beim Camping in der Natur!
  1. Dafür nimm in etwa 1/2 Hand voll Kastanienstückchen und fülle diese in ein gut verschließbares Gefäß  (z.B. Schraubglas)
  2. gieße das ganze zu 2/3 mit Wasser auf
  3. Glas zuschrauben und fest schütteln um die Saponine zu lösen
  4. alternativ kannst du das Glas auch einen Tag stehen lassen, die Saponine lösen sich dann von alleine
  5. 1 TL Guarkernmehl zugeben (schau bitte zur Sicherheit noch auf deiner Guarkernmehl Verpackung die genaue Menge nach!)
  6. wieder kräftig schütteln bis sich das Guarkernmehl aufgelöst hat und die Konsistenz gelig ist. Falls es zu dick ist: wieder Wasser zugeben, falls es zu dünn ist: etwas Guarkernmehl zugeben. Aufkochen ist bei Guarkernmehl nicht notwendig!
  7. nach Wunsch ätherische Öle zufügen z.B. Zitrone oder Orange wenn du das Gel als Reingungsgel verwenden möchtest oder z.B. äth. Öle von Rosmarin, Salbei, Minze, Lavendel oder Kamille wenn du das Gel für Haut und Haar verwenden möchtest.
  8. durch ein feines Sieb abseihen
  9. in sauberen Spender/ Flascherl füllen und rasch aufbrauchen
  10. kühl gelagert ist das Gel aber einige Tage haltbar, der Einsatz der äth. Öle verlängert die Haltbarkeit etwas
  11. du kannst das Gel nun z.B. als Geschirrspülmittel oder auch als Badreiniger verwenden, anschließend mit Wasser nachspülen
  12. als Duschgel oder als Flüssigseife (vor allem draussen in der Natur!) eignet es sich wunderbar. Zum Haare waschen hat es für meinen glatten Haartyp leider überhaupt nicht funktioniert. Aber probier es einfach für dich selbst aus, ich kann mir gut vorstellen, dass es bei trockenem Haar gut funktioniert. Dafür das Gel direkt in die Kopfhaut einmassieren und nachher mit klarem Wasser ausspülen. Im Anschluss mit einer Essigrinse (10ml Essig mit 100ml Wasser verdünnt) nachspülen.


Warum es die Wunderwuzzi Kastanie nicht in unserer Haushalte geschafft hat, war auch schon für Krünitz ein Rätsel:
"Sollte dieses Mittel nur vernachlässigt worden seyn, weil es gemein und nicht ausländisch ist?"

Es scheint so gewesen zu sein und auch fast drei Jahrhunderte später sind uns Dinge vor unserer Haustüre oft zu ordinär und fremd, stattdessen kaufen wir exotische indische Waschnüsse um etwa 20 Euro pro Kilo in Drogerien.
Obwohl, um es mit den Worten Mitzi Gstettners zu sagen: "Des Woschmittl in Wien umasunst auf de Bam wochst!" 

Abgesehen davon, dass die indische Waschnuss längst nicht so ergiebig wie unsere Kastanie ist und im Dauergebrauch einen Grauschleier auf weißer Wäsche hinterlässt, kommt sie von weit her und unsere Nachfrage hierzulande hat in Indien zu einem starken Preisanstieg geführt, woraufhin vor Ort vermehrt günstigeres konventionelles Waschpulver gekauft wird.
+Werbung+ Gabriela Nedoma schreibt in ihrem Buch "Naturwaschmittel Rosskastanie", das ich euch unbedingt empfehle,
wenn ihr mehr über die faszinierende Rosskastanie und ihre Anwendungen wissen wollt, so schön aber traurig:
"Es gibt nicht weniger Schmutzwäsche, sie wird einfach woanders gewaschen."

Was wäre, wenn es Mitzi vor 100 Jahren tatsächlich gegeben hätte und ihre "Erfindung" Einzug in unsere Haushalte gefunden hätte? (Mal außer Acht gelassen, dass es damals wie heute keine Patente auf Pflanzen geben darf!) 
Manche wären jetzt vielleicht weniger reich, andere dafür möglicherweise aber gesünder und unsere Umwelt weniger belastet.
Wir, als Mitzis Enkel, können aber ihr Erbe antreten und uns jetzt im Herbst aufmachen um unser Waschmittel in der Natur zu holen. Für die so gesparten Euro findet ihr bestimmt eine Verwendung ihr könnt z.B. in den Wiener Prater gehen und dort einen Spritzer trinken und wer weiß, vielleicht trefft ihr dabei die Mitzi Gstettner und den Hr. Professor!


Quelle: Gabriela Nedoma "Naturwaschmittel Rosskastanie"

(c)Pix: naturzauber, Johann Friess, pixabay

Thx 2 A.T.A. <3

Montag, 1. Oktober 2018

Warum ich diesen Sommer ins Kloster wollte

Diesen Sommer wollte ich unbedingt ins Kloster! Und zwar in die Klosterruine Disibodenberg. 
Für meinen Mann wars ein "Stanahaufn" 😂für mich ein heiliger Ort, und das nicht weil ich so katholisch bin, sondern weil dort die Kirchen Rockerin 🤘🏼und Heilkunde Visionärin Hildegard von Bingen ihre prägenden Jahre verbrachte. 



Mit 8 Jahren haben sie ihre Eltern ins Kloster Disibodenberg gesteckt, da sie das 10. Kind war und man im 11. Jhd. den Bibelspruch "denn alles 10. gehöret dem Herrn" sehr wörtlich nahm ☝

Hildegard schien diese Entscheidung nicht so zu taugen denn als sie mit 18 die Frauengemeinschaft im Kloster übernahm, stellte sie gleich ihre eigenen Regeln auf die eher an Hippie Kommunen erinnern: ihre Nonnen sollten mit offenem Haar und mit (Blumen?) Kränzen geschmückt beten. Wahrscheinlich wusste sie, dass uns offenes, langes Haar sensitiver macht.
 

Außerdem sollten die Klosterschwestern viel singen und miteinander tanzen denn für sie waren Musik und Bewegung heilsam wie kein anderes Mittel um innere Harmonie wieder herzustellen.
 

Man munkelt, dass die Schwestern nach dem Tänzchen noch weiter gingen  zumindest schien die wilde Hilde genau zu wissen, wie ein weiblicher Orgasmus abläuft, sie schrieb: "...so kündet die Wärme im Gehirn den Geschmack dieses Lustgefühls an. Fast gleichzeitig damit ziehen sich die Nieren zusammen, und alle Teile, die während des Monatsflusses zur Öffnung bereitstehen, schließen sich so fest, als wenn ein starker Mann irgendeinen Gegenstand in seiner Hand fest verschließt.“ 💥
 

Natürlich musste eine Frau wie sie gerade zur damaligen Zeit gegen eine breite Männerfront ankämpfen. Zugute kamen ihr dabei ihre sogar vom Papst abgesegneten Visionen, die vielen Menschen halfen und sie daher schon zu Lebzeiten eine große Fanbase hatte. So mancher Neurologe ist heute der Meinung die arme Frau hatte Migräne und nur fantasiert 🤦🏽‍♀️

Es gäbe noch viel über diese faszinierende Tausendsassa Frau zu sagen, das werde ich bestimmt auch in einem weiteren Post tun!

Freitag, 28. September 2018

Eingang zur Anderswelt

Könnt ihr an Orten wie diesem hier, an dem ich im Sommer in Luxemburg gelandet bin, auch die Elfen tanzen sehen? 💫👯💫




Tatsächlich galten Orte wie dieser, auch noch lange nach der Christianisierung, als Eingang zur Anderswelt, die parallel neben unserer Welt, auf der wir uns bewegen, existiert und in der Naturwesen und Ahnen 👵🏻 als Verbündete lebten.

Was rational denkende Köpfe als Spinnerei abtun, die bestenfalls guten Stoff für Kinofilme und Bücher liefert, war für unsere Ahnen selbstverständlich und sogar überlebensnotwendig, denn Wesen aus der Anderswelt standen hilfreich zur Seite, vor allem in Notzeiten.

In Österreich waren das z.B. die Saligen in den Bergen die bei der Mahd oder mit Nahrung halfen oder Stimmen von "drüben" die während der Pestzeit mit Rat halfen.

Natürlich gab es da wie dort auch nicht so nette Wesen die uns als Alb(Traum) oder (Night)Mahr 😱begegnen konnten.

Meinem Verständnis nach traten sie aber nur dann in Erscheinung, um uns zu warnen wenn wir vom Weg abkamen, oder wenn wir selbst nichts Gutes im Sinn hatten, denn man wusste früh: Negatives zieht Negatives an.

Wenn wir uns fragen warum das heute nicht mehr so ist, liegt es daran, dass wir dieser Anderswelt und ihren Wesen die Existenz absprechen aber auch laut und rücksichtslos mit der Natur umgehen und somit die Wesen vertreiben. Viele von uns haben dennoch schon Dinge erlebt oder gesehen die sich nicht erklären oder einordnen lassen, was die Erfahrung an sich nicht negiert, die meisten aber an sich selbst zweifeln lässt und man sowas lieber für sich behält.

Vielleicht hast du selbst ja schon Begegnungen gehabt oder von jemandem erzählt bekommen?

Übrigens: an Schwellenorten wie Quellen, Höhlen, Wurzeln (Holunder!) oder dichten Hecken kann man leichter "rüber" treten, was besonders gut in der Dämmerung, bei Nacht, zu Saimhain (Halloween) oder in den Rauhnächten gelingen kann. Setzt euch mit guten (!) Gedanken hin, achtet auf Ruhe und Einsamkeit und dann wartet ab und lasst euch verzaubern was sich so in und um euch tut ✨

Mittwoch, 26. September 2018

Kann Baumsterben auch sinnvoll sein?


Kann Baumsterben auch sinnvoll sein? 🤔Durchaus! 😮 
So gesehen diesen Sommer im apokalyptisch wirkenden Pietzmoor in Lüneburg, das mich nachhaltig beeindruckt hat.
Zuerst mag man denken, "Oh den Bäumen hier scheint es aber nicht gut zu gehen" aber wenn man den Lebensraum Moor einmal verstanden hat, dann kann man das Baumsterben plötzlich auch positiv sehen. 


Aber mal der Reihe nach:
Moore zählen zu den Feuchtgebieten. Sie entstehen, wenn Grundwasser durchgehend an der Oberfläche steht, man spricht dann von einem Niedermoor, oder wenn die Verbindung zum Grundwasser aufgrund der Bodenbedingungen abgeschnitten ist und sich in Vertiefungen Regenwasser sammelt das nicht versiegt, man nennt diesen Typ Hochmoor. 
Dort wo Wasser 💦 steht herrscht Sauerstoffarmut und damit verbunden lebensfeindliche Bedingungen mit saurem Millieu und Nährstoffarmut.
Nur daran angepasste Spezialisten können sich hier ansiedeln und die sind so speziell und schlau 🤓dass manche von ihnen ihre Nährstoffe wie vom Pizzaservice 🍕 in Form von Insekten 🐜 geliefert bekommen, man kennt sie auch als "Fleischfressende Pflanzen"
Andere, wie das Torfmoor, bilden ganze Teppiche über dem Moor und scheint recht genügsam zwischen der sauren Brühe und Sonne ☀️ mit Luft und Liebe ❤️ klar zu kommen.
Die Brühe sorgt auch dafür, dass mehr Pflanzenmaterial auf- als vollständig abgebaut werden kann, was dabei übrig bleibt ist Torf.
Ab wann ist ein Moor ein Moor? 🎶 Sobald die Torfschicht 30cm hoch ist, wer möchte kann ihr beim Wachstum, der 1mm/ Jahr beträgt gerne zusehen 😉
Wer vor einem "richtigen" Moor weiß, man hat es hier mit einem mind. 300 Jahre alten Lebensraum zu tun.
Das Torf hat man früher auch als Brennmaterial verwendet und damit den uralten Lebensraum trockengelegt und dadurch zerstört, aber warum hätten unsere Ahnen g'scheiter sein sollen als wir heute?
Im Pietzmoor war der Abbau zwischen 1860 und 1960 am intensivsten. Dazu kam, dass ab den 60ern Rock'n'Roll und toupierte Haare cooler waren als Schafe hüten 🐑 und somit die Lüneburger Schnuckenherden Geschichte waren. Die Landschaft verbuschte ohne seine Schäflein und ein paar Jahre später haben sich durstige Birken und Kiefern ausgebreitet die dem Moor den letzten Rest gaben. Die 60s sind aber auch bekannt für Blumenkinder 🌺 und so begann man Anfang der 70er das Moor zu revitalisieren und zu bewässern. 
Die Birken und Kiefern die derzeit die Landschaft so bizarr prägen sind also gerade am Absaufen, und jeder tote Baum ist ein Gewinn für das Moor das sich langsam seinen Raum zurückerobert.
So nah können Tod und Leben beinander liegen.
Bis sich wieder eine geschlossene Hochmoorfläche bildet, wird es noch einige Jahrhunderte brauchen und damit dazwischen niemand auf blöde Ideen kommt hat man das Pietzmoor zum "Natura 2000" Schutzgebiet erklärt.